
Donnerstag, den 7. Mai 1925
Bald ist eine Woche herum.
Gestern erhielt ich dicke Briefe von Idel und Käthe, und heute kam eine Karte von Lotte mit der Nachricht von Lisa Poacks (richtig? Man weiß es nicht..) Vermählung.
Die „Mami“ (Baronin) ist bis Sonnabend verreist.
Am Morgen haben wir einen herrlichen Spaziergang gemacht, es war wie im Harz. Als wir die Höfe des „Lechtner Boges“ erreicht hatten und hinuntersahen in dieses gottbegnadete Land. Ach, unbeschreiblich!
Und dann die Aussicht auf die verschiedenartig gefärbten Wälder an den Berghängen: das helle Grün der Buchen und das tief Lila der Tannen dazwischen. Wunderbar! Diesen Weg möchte ich irgendwann einmal allein oder mit meinem Liebsten gehen.
Ich liebe es wie Hedwig die Natur beschreibt. Voller Liebe! Man merkt wie zuhause sie sich draußen fühlt.
Vorgestern war ich bei Pastors. Was für eine warme, herzliche Frau! Sie strahlt eine solche Herzenswärme aus, dass ich mich sofort wie zu Hause fühlte. Wir haben sogar gemeinsame Bekannte entdeckt – die Holschers, darunter Leonard Holscher. Ich sehe ihn vor mir, wie Idel ihn malte: am Klavier stehend und singend „Ich komme vom Gebirge her.“
Hedwig war eine sehr religiöse Frau, was hier schon ein bisschen bemerkbar wird. Ich freue mich aber, dass sie so langsam anzukommen scheint und Kontakte knüpft.
Sabine und ich sollen demnächst hingefahren werden. In 22 Tagen! (Wohin?!)
Ich habe inzwischen allen geschrieben – wann werde ich wohl eine Antwort bekommen?
Ich glaube ein bisschen Heimweh ist immer noch da. Aber sie ist ja auch erst seit fünf Tagen hier, geben wir ihr noch ein bisschen Zeit.


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