Rückkehr und Rückzug

2–3 Minuten

Sonnabend, den 13. Juni 1925

Ich studiere die Geschichte derer von Adelebsen, während der jüngste Spross nebenan im Bettchen ruht und der letzte Herr von Adelebsen per Auto nach Göttingen fährt.

Nun bin ich also wieder hier.


In den Pfingstferien habe ich alle wieder besucht. Alle Freundinnen – angefangen bei Marie Reichert, die mich abholte und verfehlte, bis zu Annemarie, die aus ihren bayerischen Bergen zurückgekehrt war, noch ganz erfüllt davon. Auch Hilde war da. In der Stadthalle (Garten) trafen wir sie, Annemarie und ich, nachdem Annemarie mir vorher von den „Jungens“ erzählt und eine gemeinsame Radtour entschieden abgelehnt hatte – warum, weiß ich nicht.

KI generiert

Hilde besuchte mich am nächsten Tag mit Mäusel und Marie Reichert. Es war ein harmonischer Nachmittag. Hilde hat mir ihr ganzes Herz ausgeschüttet – sie liebt also noch immer den Ersten.

Drüben im Salon fiel Mäusel mein Album in die Hände, und ich glaube, sie wollte absichtlich, dass alle den Rudolf-Vers lasen. Am nächsten Tag sollte ich zu ihr kommen.


Nächster Tag: Wir saßen auf dem Sofa und plauderten. Mutter und Tante waren gerade hinausgegangen, um für Rudolf das Essen warm zu halten. Da trat plötzlich der scheinbar treue Filias (Rudolf) ein – groß und kräftig geworden, braungebrannt. Ich neckte ihn wegen seiner Dicklichkeit und Faulheit. Ich kann nicht anders, ich muss ihn ärgern.

Da stand Mäusel mit einem Mal auf und ging zur Tür – ich meine, mit Absicht. Etwas in mir sträubte sich dagegen. Ich stellte ihr eine Frage, sie muss mich verstanden haben, denn sie blieb stehen und setzte sich wieder in einen Sessel.

Bald kam Frau Brenneke und erkundigte sich nach Rudolfs Stippen (Pickel) an der Backe. Er sprang auf und ging ärgerlich nach nebenan. Ich habe ihn nicht wiedergesehen.

KI generiert

Idels Freude war zuerst rührend. Schlimm nur, dass sie gar nicht mehr gehen kann.

KI generiert

Am Sonntag, als die Tanten kamen, habe ich alle zum Lachen gebracht.

Den vorletzten Tag feierten wir bei Mühlmeisters Alberts Abschied – mit Erdbeerbowle. Der Herr Doktor machte mir das Kompliment, ich würde jeden Tag hübscher. Leider konnte ich ihm das nicht zurückgeben. Und meine kleinen Kameraden sprachen den ganzen Abend kein Wort miteinander – Kriegszustand.

Als ich später beim Nachhausegehen das Thema ansprach, meinte Fritz Schmidt, das störe ihn gar nicht mehr – Hans hätte sich „zu jungenhaft“ benommen. Und – nach Annemaries Aussage – soll er später einmal Hans’ kleine Schwester heiraten.


Gestern schrieb mir Marie aus Riethagen und schickte ein vierblättriges Kleeblatt mit. Daraufhin erzählte ich dem Baron, der mir den Brief brachte, von der Amerikanerin – und musste ihm mein Album zeigen, das er sich sehr genau ansah. Alle hier sind überhaupt reizend zu mir, und es fällt mir schwer, das mit dem eigenen Zimmer zu sagen, wie Perge (?) es mir geraten hatte.

Also, ich habe es gesagt. Und ja, und…

Ziemlich pikiert reagierte sie:„Wo soll ich es denn hernehmen? Und dann sind Sie da und das Kind ist hier.“

Und Perges Namen brauchte sie gar nicht dazu. Sie wolle mit ihrem Mann darüber reden.

Ja, da sitze ich nun also.

Nun – sollen sie machen, was sie wollen. Jedenfalls müsste sich doch wohl in diesem großen Schloss noch ein kleines Zimmer auftreiben lassen.

Und schon morgen ist Sonntag.

Unter mir höre ich Stimmen. Da spricht man sicher über meine unverschämte Forderung.

KI generiert


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar