Das Kostümfest

3–5 Minuten

Montag, den 16. November 1925

Bine ist erkältet. Sie schläft bei ihrer Mami auf der Chaiselongue. Draußen schmilzt der Schnee und der blaue Himmel bricht durch. Und gestern… was für ein Tag!

Nach dem Kaffee lief ich hinunter. Jetzt kommt es mir fast selbstverständlich vor. Alle waren da. Wir spielten und lachten. Ich spielte mit Herrn Edam zusammen und half ihm. Dennoch erschien mir Kurt sehr still. Dann wurde gepokert. Er verlor diesmal ständig. Edam war in sprühender Laune. Zehn Minuten vor sieben wollte ich wieder zurück zur Burg. Frau Schmidt sagte wieder: „Iss doch sonntags mit uns mit!“

Wie mich das freute! Aber ich ging trotzdem, nachdem ich versprach, nach dem Essen wiederzukommen.

Lotte sagte im Flur noch: „Das seh’ ich ja auch nicht ein, dass du heut Abend allein sitzen sollst. Wir vermissen dich schon immer, wenn du nicht da bist!“

Im Garten den Berg hinauf, Herbert klingelte gerade, als ich die Steintreppe hinaufstieg.

„Wichtel ist doch hochgekommen!“, lachte die Baronin, und Bine strahlte. Bei Tisch fragte der Baron: „Haben Sie denn nun Herrn Schmidt gefragt, wo die Gespanne gearbeitet haben?“

„Nein.“

Mit Bine lief ich hinauf. „Du sollst noch wieder zu Schmidts kommen?“

„Ja.“

Zum Schluss, und weil ich so glücklich war, tanzte ich mit Bine noch, als die Mami kam und mich fragte, ob ich jetzt wieder hinunterwollte.

Alle saßen, wie wartend im Zimmer, als ich eintrat, und ich ging zu Frau Schmidt, setzte mich auf die Chaiselongue. Ich fühlte, es war an mir, die Gesellschaft zu unterhalten. Frau Schmidt klopfte mir immer aufs Knie, wenn ich etwas Sanftes erzählt hatte, dann ging sie noch mit mir ins Billardzimmer, wo Lotte wieder ein Kissen angefangen hatte. Ob er mich wohl ansah, als ich, von seiner Mutter kommend, die Tür hinter mir schloss?

Lotte legte Karten: Erst „Bübchendrehen“: Rudchen liebt mich am meisten. dann der Ungenannte. Wie alle auf die Karten sahen! Ob er wohl eifersüchtig auf Rudchen war? Als ich die Namen nannte, hieß es: „Walter fehlt noch.“

Und Edam sagte leise: „Kurt fehlt noch.“

Und dabei fehlte der gar nicht. Lotte meinte, der Junge könnte mich ja auch noch nicht so lieben. „Ich glaube, ich weiß es.“

Ich sah sie an: „Ich glaube nicht.“ Oder ahnte sie etwas?

Dann kam weiter: Ich heirate Rudchen nicht, denn der liegt mir mit Schwester und Wort zu Füßen, stattdessen bekäme ich einen anderen, mit viel Geld.

Dann legte Lotte ihrem Bruder die Karten. Sie musste die Damen nennen, Edam liebte mich am meisten. Da musste ich aber lachen, schallend lachen.

Die Alten gingen nach oben. Da ging es los: Turnen, Tanzen. Mit ihm? Edam sagte den Text zum Lied: „Küsse mich.“ Er reagierte nicht auf die Bemerkung. So geborgen, so glücklich fühlte ich mich bei ihm; ob er das fühlt? Er vergisst sich nicht, tanzt nicht so eng wie Edam. Ich glaube wirklich, dass er einen starken Willen hat, wie er behauptet. Der Tanz müsste viel länger sein! Er ist gerade einen Kopf größer als ich. Ich wage es kaum, ganz zu ihm aufzusehen, weil alle uns beobachten.

Später saß er weit weg, bei Marga. Ich hatte mein Medaillon in der Hand und spielte damit, nur nicht hinsehend.

„Ich glaube, gnädiges Fräulein, Sie denken immer noch darüber nach, dass es der da doch nicht wird, sondern der andere. Aber der andere hat viel Geld.“

„Darauf kommt es gar nicht an.“

„So, nicht?“ Er muss kolossal scharf beobachten. Ich hatte mich zweimal umgedreht, da sagte er, ob ich schon wieder unruhig würde, aber es war erst halb elf, und bis eins dauerte der Abend mit Likör und Grammophon.

„Ich muss bald mal nach Gbg.“, sagte er. „Wer will mir das mal zeigen?“

Ich fühlte, dass er mich meinte, sagte aber kein Sterbenswort.

„Ich kenne Gbg.“, sagte Marga, „da will ich gern mal mit Ihnen hinfahren.“

Warum sagte er nicht freudig ja? Sie redeten noch über die Schönheit der Stadt. Ich schwieg. „Gnädiges Fräulein, Sie müssten doch Gbg. Kennen. Es liegt doch in der Heide.“

„Nein, ich kenne Gbg. gar nicht“, sagte ich langsam, fast müde und dachte: Nun, nimm mich doch mit! Welcher Ort ist Gbg??

Das war fast der einzige Augenblick, wo ich mich ihm ganz nahe fühlte. Sonst war er so weit weg von mir. Aber schön war’s doch! Ich sehe ihn noch in seinem biederen Kostüm. Das stand ihm fabelhaft. Edam war seine Braut 1. Ranges, doch fiel er manchmal aus der Rolle, sodass wir ungern mit ihm tanzten. Aber gelacht haben wir doch. Beim letzten Tanz mit ihm wurde mir schwindelig, ich musste mich an ihn lehnen – und mit meinem Schal hatte ich etwas umgegossen, weil er mich so schnell drehte.

KI generiert

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