
Sonntag, den 13. Dezember 1925
Zehn vor eins. Gleich läutet es. Nur noch dies schnell, damit ich um drei hinunterkomme und mit nach Göttingen fahre. Da geht Lotte mit ihrer Mutter zur Weihnachtsfeier und er und ich bleiben allein zurück… Hätte ich doch nicht solche wahnsinnige Angst!
Und wie fest drückte er heute Morgen meine Hand. So fest, dass es mir weh tat. Edam und er waren beide in blauen Anzügen. Beide saßen in den tiefen Sesseln. Bine saß auf meiner Lehne und legt den Arm um mich. Berlin hat ihm diesmal gar nicht gefallen. Für seine Karte will ich mich erst heute Abend bedanken.
„Habe ich das nicht fein eingerichtet?“ fragte er mich, als wir alle auf dem Flur standen. „Dann sind wir endlich mal allein.“
Bine umarmte mich gleich, machte einen Kussmund, den ich hastig mit der Hand bedeckte. Beide Herren sahen gespannt zu. Wie mag das nur werden? Lotte ging mit uns hinaus. Er stand vor der Haustür und sah uns nach.
Als wir den Berg hinaufkletterten, hörten wir ein „Hu, hu!“ und ein lustiges Pfeifen.
„Bine, wer ist das?“
„O, Herr Schmidt!“
Und wieder Rufen und Lachen über den Schnee hinweg.
Die Mahlzeit ist vorbei. Gott sei Dank! Mädi erzählte mir reizend von ihrer Jagd und vom dicken Onkel aus Altenwisch.
Ich brauche heute nicht mit Bine vorzulesen, sondern fahre mit ihm nach Göttingen. Die Sonne lacht, der Himmel blaut!
Gestern Abend kam ein Klopfen an der Tür. Bine war gerade dabei sich auszuziehen. Wer ist das? Die Lotte! Umarmen, Lachen, Jauchzen.
Als Bine im Bett war, haben wir beiden noch eine kleine Adventsfeier gemacht. Ich sang ihr die schönsten Weihnachtslieder vor und sie erzählte mir von ihrem Kurt. Wie sehr sie ihn liebt!
Dann hat sie mir noch die kleine Decke angefangen. Von Edam brachte sie mir einen Gruß: Er lade mich heute zu einer Schlittenfahrt ein. Und er? Er ließ mich nicht grüßen.
Aber Lotte meinte lachend, sie hätte es beinahe getan: „Soll er sich ruhig mal ein bisschen ärgern!“
Ach, ist das Leben schön!


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