
Sonntagabend, den 10. Januar 1926
Abschied von Idel. Schwere Koffer, langweilige Fahrt, wenngleich der Himmel blaute, als ob es schon Frühling wäre. Aber ich bin so todmüde.
Adelebsen! Mit Müh und Not bekam ich meine Siebensachen heraus aus der Bahn. Da sauste Bine auf mich los, küsste mich, zog mich herunter, jubelte und gebärdete sich wie wahnsinnig. Mein Hut saß schief von dem Empfang. Kaum hatte ich Zeit, Taulin meinen Koffer zu geben, da hatte Bine mich schon wieder beim Kragen. Dann sah sie meinen „Vogelhut“ und rief mit überlauter Stimme, sodass die vielen Menschen auf dem Bahnsteig uns wie ein Weltwunder ansahen und laut lachten: „O, du hast ja einen Vogel. Vogel! Vogel!“
Dabei wollte sie mich immer wieder küssen. Ich ließ sie mit Mühe von mir ab, machte mir schon längst nichts mehr aus mir selbst.
„Einen Kuss, einen Kuss will ich haben!“
Es half nichts: auf offener Straße musste ich sie küssen. Dabei hörte ich das verhaltene Lachen all der Menschen, was Bine nur noch rasender machte.
Ich war halb tot, als wir endlich auf dem Wege waren. Martha und ihre kleine Schwester an meiner Seite, Bine mit dem Roller voraus. Alle Leute standen in größeren und kleineren Gruppen vor ihren Häusern. Da hörte ich Pferdehufe hinter uns, sie kamen näher. Marga sagte: „Oh, da kommen zwei Reiter.“
Ich ahnte es ja, drehte mich aber nicht um.
„Das ist ja Herr Schmidt.“
Bine fing schon wieder an zu jubeln: „Oh, Herr Schmidt und Herr Edam.“
Schon waren sie neben uns. Stumme Begrüßung von den Pferden aus herunter. Im Schritt ritten sie neben uns her. Wir mussten laut Sprechen, um den Lärm des Pferdegetrappels zu übertönen. Mir kam alles so traumhaft vor.
Er fragt, wann ich angekommen wäre. Eben jetzt, antwortete ich. Bine wäre gar nicht unten gewesen, er hätte richtig Sehnsucht gehabt. Lotte käme heute um sieben wieder.
„Ich dachte morgen.“
Dann nur noch Winken mit der Hand, und ich ging mit den Kindern rechts die steile Straße zur Kirche hinauf.


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