Schritte auf dem Flur

3–4 Minuten

Dienstag, den 12. Januar 1926

„Ja, der Sonnenschein … hat’s fein!“

Dieses Lied summte ich den ganzen Tag. Es war auch blendender Sonnenschein. Morgens waren viele Eisblumen am Fenster. Nach Tisch saß ich im Sessel am Ofen und dachte daran, dass man uns unten sicher erwartete. Warum sonst hatte er früh morgens so lange am Hoftor gestanden?

„Wollen wir pokern gehen?“

„Wollen wir?“ Und schon sauste das Kind mit lachenden Augen hinunter zur Mami. Didi und alle Barbies kamen mit.

„Aber wehe, wenn sie jetzt nicht da sind.“

Und wirklich: nur die Alten waren da. Lotte ist durch Ostpreußen gereist, Kurt ist in Uslar. Er müsste aber gleich zurückkommen. Wir schellten auf Lotte und ließen das Grammophon spielen. Sie hatten neue Platten. „Das goldene Lachen.“

„Der Kurtel freut sich schon, wenn das Wichtel ihm das erst mal vorspielen könnte“, sagte seine Mutter zu mir. Einen geharnischten (empörten) Brief habe er der Lotte geschrieben, so böse habe sie den Kurt noch nie gesehen.

Schritte auf dem Flur: „Da ist er ja!“

Bine macht die Tür sperrangelweit auf und rennt ihm entgegen.

„Ist Wichtel auch da?“ Und dann sitzt er wieder bei uns. Von Weihnachten und Hannover soll ich erzählen. Ob ich alle wiedergesehen habe? An ihm habe es sicher nicht gelegen, dass ich keine Nachricht bekommen hätte.

Wir Pokern.

 „Ja, so schnell lass ich Sie auch jetzt nicht wieder weg.“ Frau Schmidt zeigt mir den Tannenbaum im anderen Zimmer. Wir sind noch keine drei Minuten weg, da steht er schon in der Tür und fragt, ob wir den Baum anstecken wollen. Aber das war da zu kalt.

„Und Kurt soll sich im neuen Jahr verloben. Er hat das Stück Kuchen mit dem Ring bekommen und gleich in den Ring gebissen“, erzählt Frau Schmidt lachend. Er sagt gar nichts dazu. Aber mein Weihnachtspaket hat ihnen Freude gemacht.

„So echt Wichtel, haben wir alle gesagt. Und von Marga, auch so echt Marga. So aus dem Laden.“

„Wenn das kein Schwein ist, weiß ich’s nicht“, hatte er zu seinem Paket gesagt.

„Und was sagte Edam zu seiner Pulle?“

„Ach, den muss ich holen. Der freut sich tot, wenn er Sie sieht.“

Ich wunderte mich nur, wie schnell er wieder da war. Edam spielte auch mit. Nun kriegt Bine wieder ihre alberne Tour: fällt mir um den Hals, küsst und drückt mich, dass ich mich nicht erwehren kann. Was die Männer bloß gedacht haben mögen. Allmählich habe ich wirklich Angst vor Bines Liebkosungen, besonders wenn sie solche unkindlichen Äußerungen macht, die mir immer das Blut in die Backen jagen. Dann kokettiert sie mit ihrem grünen Unterrock und tanzt.

Dann bringt Herbert Bine den Mantel mit dem Befehl, sie solle gleich nach oben kommen. Mir steigt dann immer gleich ein Angstgefühl hoch. Aber ich muss doch wieder ins kalte Schloss. Dann ist alle Freude weg. Edam kann mit Bine seinen Walzer nicht zu Ende tanzen. Frau Schmidt sagt, ich solle wiederkommen, und der Sohn meint, ich müsse nun seine Schwester vertreten, sie seien so allein. Edam, der sich in allen Lebenslagen (reitend, etc.), hat fotografieren lassen, sagt dasselbe.

„Lebt wohl, ihr beiden.“

Hinaus geht’s in den Ostwind. Oben doppelte Rede von wegen Bine gut am Halfter zumachen usw. Ich möchte nur wissen, warum Lotte im Frühling für immer verreisen könnte und jetzt nicht. Ob das nur der Wirtin wegen ist? Und er hätte sich auf so vieles gefreut jetzt.

Ob ich die Fledermaus gehört hätte, Sonntag in Göttingen. Und Edam hat sich sterblich in eine Tänzerin verliebt. Dies ist ein Paar.

Morgen fahre ich nach Göttingen, zum Bezirk, nachmittags Hilde und ihre Corona. Hoffentlich kann ich bis zum Abend wegbleiben.

KI generiert

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