
Donnerstag, den 14. Januar 1926 – Göttingen, Nikolausberg
Nein, was war das wieder für ein Tag. Stichworte müssen genügen:
Die Nacht geschneit, eisig kalt. Kramer, offener Wagen, Gräfin Inge und ich, zwei mal zwei Rückfahrkarten. Wandern getrennt zum Friedländer Weg. Direkt weiß, gütig, sehr nett. Bine erst im Jahr gegrüßt. Besorgungen, Zwei Mal verlaufen. Um 1 Uhr Reinh. Landstraße 55, niemand da. Aufwärterin. Ilse, Vater. Hilde halb 2Um halb zwei, gegessen, dann fertig gemacht.
Treffpunkt: vier Studenten, vier Mädels, fast dieselben wie im „Mariaspring“. Lustig hinaus durch Schnee und Wetter, Hoffmannshof, Nikolausberg. Kaffee, Milch, Kuchen. Wir haben gefachsimpelt, dicke, alberne Witze, Essen, Tanzwut, Ofenhitze Gelächter, Atemwolken. Hilde – Klatt – Ritter – Lob auf die Selbstlosigkeit der Schwestern. Viertel vor sechs. Viertel vor sieben mein Zug. Auf!
Galopp den Berg hinunter. Ritter führte mich, ich war halbtot. Sturzacker, Nebel, Schnee, ferne Lichter. Galopp. Herzklopfen. Lachen, wilde Jagd. Jugendübermut. Ritter, eine Apotheke andere Seite, Händedrücken, innerlich lachen. Weiter. Schlösser, Berge, Adel, Nonnen. Stadt. Bahnhof. Vor sechs Minuten war der Zug weg.
Die Herren lachten. Riger und ich telefonierten den nächsten Zug. Taulin: fährt nur noch morgen früh. Was soll ich tun? Taulin, Herr Schmidt. bitten mich, im Auto abzuholen. Reinh. Landstraße 55. Über Wall zu Hildes Wohnung. Vor Müdigkeit die Treppen hinaufgefallen.
Oben später Abendbrot. Ich mache meinen Mantel auf, höre ein Auto fahren. Hilde kommt auf den Balkon: „Ein gelbes Auto fährt eben vorbei, ich glaube, das war er.“
Sie läuft hinunter, ich auf den Balkon. Da steht er.
„Sind Sie’s wirklich?“
„Natürlich.“ Mantel zu und hinunter!
„Bin ich nicht wie eine Mutter zu ihr?“ Er hatte gerade mit Haas wegwollen, seine Mutter im Pelz auf den Hof gekommen. Adresse gegeben, wusste Bescheid, deshalb so schnell. Eine Minute später wäre er sonst weg gewesen, erst um halb acht wieder zu Hause, wäre wohl auch dann noch wieder losgefahren.
Dicke Pelzdecke, patschnasse Füße, fest eingepackt, ab ging’s. Ich todmüde, hörte oft nur halb, was er sagte, meist allgemeines Zeug. Ich war nur froh, dass er gekommen war, dass ich neben ihm saß. Er sah mich oft an, ich wollte ihn ansehen, konnte kaum.
„Morgen hol ich Marga ab, muss sie mal wieder bei mir haben, ihre Mutter kommt auch mit.“ – Nach einer Weile: „Morgen kommen Sie doch!“
„Dann kommen doch Ihre…“
„Ja, gerade deshalb.“
Adelebsen, reinkommen nicht mehr. „Also bis morgen!“
„Wenn ich kann!“ Berg hinauf. Blitzlicht Taulin. Schmidt Auto in Göttingen getroffen, brauchten nicht alles zu wissen. Ich lachte, der hält zu mir.
Herbert. Tür auf. Hinein. Bine im Bett. Baronin fragte, ob ich im Auto gefahren sei. Weiter nichts.
Schlafe nicht. Ich dachte und wünschte er doch, dass ich Edam lieben soll (warum immer das mit den Bildern erzählt!) Oh, das kann ich nicht. Ich sehe mich schon wieder weiterwandern, ruhelos, heimatlos. Ich kann heute nicht hinuntergehen.


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