

Sonnabend, den 23. Januar 1926
Gestern kam ein Brief von Lottes Kurt und 15 Mark. Dafür soll ich ihr Rosen oder Nelken zum Verlobungstag kaufen. Auch wenn ich wollte, nun kann ich wohl mehr zurück. Das ist wieder ein Faden, der gesponnen ist, der hinüber- und herüberläuft, den ich nicht zerreißen kann zwischen Schmidts und mir. Lotte muss ihm rührend von mir erzählt haben. Wie mich das alles freut.
Deshalb musste ich gestern auch wieder einmal hinunterlaufen. Ich musste wieder bei ihnen sein, mit ihnen plaudern und Kaffee trinken und mir alles von der Seele wegreden. Lotte, ihre Mutter und ich. Wieder war mir, als ob ich zu ihnen gehörte. Dann gingen wir beide Arm in Arm durch den Flecken.
Unten am Berge sagt sie: „Sag mal, du hast irgendetwas, was ist das bloß?“ Aber das kann ich ihr doch nicht sagen. Sonntag wollen wir zusammen sein, heute taut es, sonst hätten wir gerodelt. Bines Krankheit von gestern ist vorbei.
Aber soll ich denn nun morgen wieder so hinuntergehen? Hoffentlich ruft Lotte an. Wenn ich nur erst wüsste, wie ich das mit Göttingen mache. Soll ich ihn ins Vertrauen ziehen oder lieber mit der Bahn fahren? Ob er mir zuliebe ein Geheimnis für sich behalten kann?
Nach Tisch.
Eine merkwürdige Stimmung bei Tisch. So viel Ungerechtigkeit gegen seine Frau, wie der Baron sie in Gegenwart aller an den Tag legt, ist beleidigend.
Sie will gern das Auto haben nach Sennickerode, und er gibt es nicht.
„Andere Autos fahren doch auch, aber unseres kriegt eben den Schnupfen“, sagt sie nicht ohne Spott.
„Deine dummen Witze… lass nur, damit erreichst du gar nichts.“
Sie verbirgt ihre Verlegenheit hinter den Worten: „Ich will ja auch gar nichts erreichen.“
Ich mochte nichts mehr essen. Gott bewahre mich vor solchen Männern! Ich bewundere ihre Selbstbeherrschung.


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