„Scio nescio“ – ich weiß es auch nicht

2–3 Minuten

Freitag, den 29. Januar 1926

Ich erwachte nach einem wunderbaren Traum: Ich war unten mit Lotte und Herr Edam zusammen. Kurt war in Hannover. Es war schon spät, und ich wollte nach Hause. Da ging die Tür auf und in Pelzmantel trat der ein, den ich fern glaubte. Wir sahen uns an, ich trat einen Schritt zurück, fühlte eine wahnsinnige Angst und hielt wie schützend meinen Arm vor mich.

Dann erzählte er von Fräulein Verlobter. Traurig sah ich zur Seite. Also liebt er doch sie.
Und da kam es wie ein Jubelruf von seinen Lippen: „Was kümmert mich Hamburg, was Dortmund… Wichtel, dich liebe ich!“

Tief drang es in mein Herz. Als ich seine stahlblauen Augen sah, lief ich zu ihm, vergaß alle Schüchternheit, schlang beide Arme um seinen Hals und wir küssten uns. Lotte und Edam lachten: „Nun seid ihr ja doch verlobt!“

In mir war eine große Freude.

An den Traum dachte ich, als ich in Göttingen war und für Lotte die Nelken besorgte. An den Traum dachte ich abends, als ich unten war.

Edam half mir beim Ausziehen. Lotte musste ihrem Bruder beim Bilder-Einkleben helfen, ich saß nahe bei Frau Schmidt und betrachtete mit ihr die Strümpfe. Es kam mir alles so komisch vor. Er machte Witze, die er in Hannover gehört hatte.
„So, so, Sie müssen mal wieder nach Hannover“, sagte er so merkwürdig, als ich meinte, wenn Bine nach Imshausen fahre, wollte ich nach Hannover.

Die richtige Stimmung fehlte. Er tanzte mit Lotte, umarmte sie zärtlich und sah mich lachend an. Er meinte, für mich käme auch noch einmal die Zeit. Wo ich flehte: „Küsse mich!“

Sie hätte Dienstagabend von mir gesprochen und mir alles Gute gewünscht.

Lotte zeigte mir die ausgespannten Decken ihrer Schwester. Da sagte er: „Wichtel, ihr kriegt das nicht fertig.“

„Das wollen wir doch erst mal sehen.“

Er schielte auf die vielen Handarbeiten und meinte, seine Frau dürfe so etwas später nicht.

Wie es kam, weiß ich nicht: Wir hatten von Otto D. gesprochen. Er stand am Schreibtisch, drehte sich plötzlich um, sah zu mir herüber und sagte: „Du bist beschlossen in meinem Herzen.“

Ich dachte an Otto D. und fragte: „Wer, Otto D.?“
„Um Himmels willen, nein!“, sagte er und lief weg.

Wenn ich doch wüsste, ob er das im Scherz oder im Ernst gesagt hat.

Dann sollte ich das Heidelied singen, wie Edam sagte, mit dem Refrain: „Bester Schatz, du weißt es ja!“

C-Dur, der letzte Ton verklang. Da fragte er: „Ich weiß gar nichts. Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Sollte ich antworten? Ich konnte doch nicht sagen: Das ist deine Schuld. Alles schwieg. Dann ging er hinauf, müde von der Reise und allein. Wenn ich doch wüsste, was sein Blick, sein Händedruck mir sagen sollten.

Und wieder: Als er weg war, fiel alles von mir ab. Ich konnte singen und erzählen: „Schritte in der Nacht!“

Alle lauschten. Edam wollte mich tiefer singen lassen, meisterlich machte es der Chef nach.

Unterwegs drückte er meinen Arm immer wieder. Oder schließlich wurde er vernünftig.

Ihn liebe ich doch nicht!

KI generiert

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