Ohnmächtige Wut

1–2 Minuten

Dienstag, den 9. Februar 1926

Da lese ich im Tag den Artikel über die Auszehrung Deutschlands und mich erfasst eine ohnmächtige Wut. Deutsches Glück und deutsches Leben werden sie zerstören. Ist es möglich? Können sie das verantworten? Und das wollen Christen sein?

Fünf Briefe hatte ich heute.

Idel ist in Sorge um Adolph. Wenn er es nur durchhält. Idel glaubt, dass er mich liebt! Oh, wenn doch!
Koli schreibt mir von „ihm“: Er ist 23 Jahre alt, aber sie stehen sich so fern, so unverbindlich. Das quält sie so sehr.
Marie schickt einen dicken Brief, der mich 15 Pfennig Strafporto kostete. Sie hat mit Taulitz eine Motorfahrt gemacht, wie gut ich mir das alles vorstellen kann. Im Sommer kommt er dorthin, dann sehen sie sich endlich.

Dabei denke ich an ihn, den ich doch täglich sehe.

Heute gehen wir „pokern“. Bine strahlt schön geschniegelt in ihrem grünen Trikotkleid. Die „Mami“ hat uns den Pelz hingelegt. Sie will sich auch auf meinen Schoß setzen, während Kurt am Schreibtisch sitzt und sich halb verlegen umdreht.

„Und alle wollen meine kleinen Patsche heiraten. Das sollen sie aber nicht!“, sagt das Kind.

Marie Reichert fragt, wann ich komme. Ich hoffe, dass ich dann mit „ihm“ komme. Idel sehnt sich nach mir und wünscht mir alles Glück.

Wenn ich nur an die ersten Monate hier denke: Wie einsam und unglücklich ich war. Und nun? Oh, ich bin so dankbar und froh. Nur Edam heiraten kann ich nicht. Wenn ich ihm das Buch zurückgebe, muss ich es ihm zeigen. Ich mag doch keinen leiden sehen.

KI generiert

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