

Mittwoch, den 10. Februar 1926
Fräulein Sprenger bleibt jetzt gern in Adelebsen, weil sie mich hier hat. Lotte kommt heute Abend.
Draußen liegt Schnee. Bine und Lotte haben mich unten im Garten gewaschen. Warum? Weil ich ihnen ausgebüxt war. Bine hatte Zettermordio geschrien und mich glücklich mit hinein geholt. Dann hatte sie den Kopf ins Esszimmer gesteckt und ich war verschwunden.
„Hedy, was ist das nur mit dir, wagst dich nicht mal mehr zu uns hinein?“
Ach und gestern?
Bine und ich stehen im Flur, kein Mensch zu sehen. Schließlich klopft jemand ans Herrenzimmer. Wer? Er! Er fragt gleich, ob Lotte oben ist. Er diktierte gerade Fräulein Sauermann, die Lene übrigens schrecklich findet. Fräulein Stolz findet nun, ganz gouvernantenhaft, es wäre doch für Lotte viel schöner, wenn ich an Fräulein Sauermanns Stelle wäre.
Bine und ich gingen also nach oben in Lottes Zimmer, Dort herrschte eine heillose Verwüstung: Strümpfe hingen am Fensterhaken usw. Aber Lotte war nicht zu finden.
Wir laufen durch den Garten. Keine Lotte. Der Alte meint: „Unkraut vergeht nicht, wartet doch, die wird gleich kommen.“
Ich wollte mit Bine hinauf, aber die war ja nicht mitzukriegen. Dann setzte sich Herr Schmidt zu uns. Nun fielen sie über mich Arme her. Bine behauptet, ich knurrte immer.
Er: „So, von der Seite habe ich Wichtel ja noch gar nicht kennengelernt. Hier unten zeigt sie sich immer von der besten Seite.“
Hier schauspielerte ich und merkte: Warum quält er mich nur?
Und Edam? In den wäre ich wohl verliebt.
„Ja“, sagt Bine. „Das glaube ich auch. Sie ist immer so aufgeregt, wenn sie abends weg ist. Dabei ist sie noch viel zu jung dazu.“
Alles lacht. Wieder muss er mich necken: „Wenn deine Augen verloren gehen, ist das ja nicht so schlimm, aber die schöne Eau de Cologne!“
„Das ist ja großartig“, bringe ich bloß heraus. Er lacht wie ein Junge.
„Bine, wann fährst du denn nach Albshausen? Ich hatte mich schon mit dir gefreut.“
(So schlau.) Aber Bine weiß das noch gar nicht! Er führe Ende nächste Woche wahrscheinlich. Nun habe ich es der Baronin schon angemerkt. Hoffentlich gelingt es! Wenn wir doch zusammen führen.
Und Bine will nicht, dass ich jemals weggehe.
„Ja, wir behalten sie hier!“
Ein seltsamer Schmerz ging durch meinen Körper. Ansehen konnte ich ihn nicht. Und wenn ich nicht will, kann er mich doch nicht halten.
Endlich kam Lotte. Die Mutter wusste gleich, dass wir oben gewesen waren, und sagte:
„Ich dachte mir schon, das ist sicher Wichtel gewesen!“
Da konnte ich nicht anders und musste laut lachen, bis er schließlich auch mitlachte.
Kurt liegt auf der Chaiselongue lang ausgestreckt. Auf ihm, ihn dauernd küssen wollend, Jockel. Er redet mit dem Köter, alberte herum, und Bine ruft: „Wichtel, so kannst du das doch nicht sehen!“
Wir stehen dabei und freuen uns, da wird Herr Haus gemeldet. Da Kurt sich gerade freute, bezweifle ich stark. Wir gingen noch nebenan und pokerten ohne rechte Stimmung. Mir fehlte auch irgendetwas.
Dann vertrat Fräulein Sauermann mich, und ich lief schnell zu Fräulein Sprenger. Selig, denn ich durfte ja wieder in ihr Haus zurückkommen. Noch nie habe ich mich bei fremden Menschen so glücklich gefühlt. Oh Gott, wie danke ich dir dafür!
Wenn ich wirklich wieder weiterwandern muss und mich niemand hier hält, dann werde ich mit Glückseligkeit an diese Zeit hier zurückdenken.
Ich freue mich, dass ich ihn so lieb habe und niemand es weiß.
Als ich wiederkam, gab Frau Schmidt mir all ihr vieles Geld, ich solle es treu verwalten. Das tat ich. Lotte meinte, aus der Sache mit Fräulein Sauermann würde scheinbar doch nichts. Wir beiden haben doch auch genug an uns. Ich habe sie ja alle so lieb!
Ihn habe ich gar nicht mehr gesehen, auch sein Lachen nicht mehr gehört. Wenn er wüsste, wie lieb ich ihn habe!
Und heute Abend kommt Lotte.


Hinterlasse einen Kommentar