
Sonnabend, den 13. Februar 1926
Das Kind quälte mich. Deswegen bin ich nicht mit nach Göttingen gefahren. Wir haben einen weiten Gang gemacht, durch das grüne Tal, zurück über den Lechtmar.
So traurig war ich. Wie das Kind mich verstand: „Mir ist immer, als ob da hinter den blauen Bergen das Glück liegen muss, dann erwacht meine Sehnsucht und findet hier nimmer Ruhe.“
Das Kind pflückt Kätzchen, und ich sitze am Feldrand und schaue in die Ferne. Alles so traurig. Ich sehe noch die flehenden Augen von der Muschi, als wir sie bestrafen mussten. Es ging mir durchs Herz.
Idel schreibt mir so lieb. Sie müsse mir einmal sagen, dass ich ein seltener Mensch wäre. Und ich denke voll Ironie: Ja, selten. Dass mich der, den ich liebe, gar nicht versteht.
Den ganzen Nachmittag habe ich nichts getan, im Schaukelstuhl gelegen und geträumt.
Rührend war das Kind: „Du sollst dich nicht anstrengen. Komm, ich hol dir Kissen und schaukele dich und singe dir ein Lied vor, dann schläfst du ein. Du sollst nicht traurig sein, ich bin doch immer bei dir.“
Idels Brief in der Hand (mein geliebtes Kind hatte sie geschrieben) und die Bine neben mir. Warum weinte ich dennoch? Ich möchte ihm mein Herz schenken und weiß nicht, wie ich’s anfangen soll. Gott, hilf mir!
Ich habe Angst vor morgen, ob sie sich wieder Besuch mitgebracht haben? Um sechs kann das Auto zurück.
Wie soll das nur mit mir werden? Oh, warum versteht er mich nicht?


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