In seiner Hand

1–2 Minuten

Donnerstag, den 18. Februar 1926

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Die Baronin und Bine fahren von Dienstag bis Donnerstag nach Imshausen. Also kann ich auch Sonnabend nicht mit ihm fahren. Ich muss heute gleich hinunter und es ihm sagen. Warum hat das nun nicht sein sollen?

Ich war unten. Der alte Herr Schmidt empfängt mich.

„Ist Lotte da?“, flüstere ich, weil ich jemanden telefonieren höre. Da steht er im grünen Anzug am Schreibtisch, dreht sich zu mir und fragt, ob ich noch Wut hätte. Das musste Lotte ihm wiedererzählt haben. „Die habe ich vergessen, aber jetzt habe ich neue.“

Dann sitzt er neben mir im Sessel und fragt gleich: „Sollen Sie etwa nicht fahren?“ Ich freute mich, dass er es gleich wusste, und nun erzählte ich ihm alles. Dann ruft er Lotte. „Nein, so was.“

„Ja, so macht sie’s. Erst bestellt sie den Mann und dann lässt sie ihn da sitzen.“

„Ja, ich hatte mich auch schon gefreut.“ Das musste ich sagen.

Ich sollte mehr Rückgrat zeigen, das könne ich auch von ihm lernen. Er erzählt mir von seinem Brief an den Rentmeister.

Dann gehe ich mit Lotte zur Post, Arm in Arm. Sie erzählt, dass ihre Mutter von Lottes Stolz geschrieben hat.  Wir schimpfen auf die Baronin, und Lotte sagt, sie könne doch nicht damit dein Lebensglück in Jammer verdorben haben. Impulsiv muss ich ihr beistimmen.

Und wieder sind wir im Esszimmer, packen Lottes Kleid aus, lachen, albern, ärgern uns. Ich will nicht mehr ablegen, weil Bine wartet. Frau Schmidt lädt mich zum Kaffee ein, aber ich denke an Bine und verabschiede mich.

Da kommen Vater und Sohn herein. Er kommt auf mich zu, ich soll doch dableiben. „Wichtel, schmeckt’s bei uns nicht?“, sagt er.

„Doch, es schmeckt mir schon, aber ich kann nicht!“

Warum steht er immer noch in der Tür und sieht mich an? Ich nicke ihm zu: „Auf Wichtelchen.“ Lotte bringt mich hinaus.

Und nun sitze ich hier allein, bin froh und leicht, dass ich unten war.

Mein Lebensglück. Ja, das liegt in seiner Hand. In seiner Hand!

KI generiert

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar