Fremd im Glück

2–4 Minuten

Montag, den 22. März 1926

„Lass dich nicht verblüffen“, stand gestern auf dem Kalenderzettel. Das hat mich wieder zum Lachen gebracht. Sonst war ich so unbefriedigt.

Wenn ich doch wüsste, ob er mich liebt oder ob er die Frauen nur zum Spiel braucht.
Ein Trost ist immerhin: Er versteht es nicht, mit mir zu spielen.

Zu siebt ins Auto. Ich setzte mich gleich nach hinten. Er war sehr ernst, ging meist allein voran, nur manchmal hakte er Marga unter. Dann griff er wieder mein Lied auf, vom Kornfeld und vom Wind.

Ich wich ihm aus und merkte doch, wie Wally mich beobachtete. Ja, scharf ansah. Und von allen liebte ich doch nur Lotte. Marga gibt sich harmlos und ist dabei raffiniert.

Er fragte mich, ob ich abends käme, wir müssten üben und wollten doch auch zusammen „Klampfe“ spielen. Dabei sahen wir uns an. Seine Schwester Wally stand neben ihm.

In der Nähe der Steine ließen wir das Auto stehen, dann liefen wir los, wollten zur Weser, aber rote Backen hatten wir alle.

Abends zog ich mein schwarz-weißes Kleid an. Laut wurde ich begrüßt. Oh, wie man mich empfing!

Im Bauernkostüm mit roter Mütze sollte ich mich vor der ganzen Gesellschaft verstellen, aber das tat ich nicht. Ich setzte mich lieber ans Klavier, bis alles bereit war.

Da kam der alte Herr Schmidt herein. Er wollte sich die Probe ansehen. Überhaupt waren die Älteren gestern so lieb zu mir.

Nach der Probe, als ich wiederkam, sagte er: „Nun singt uns die Wichtel noch ein Lied, dann gehen wir nach oben.“

Kurt gab mir die Gitarre, und ich sang.

Und als ich all mein Schönes gesungen hatte, hätte ich gehen sollen, denn was danach kam, war mir fremd. Das Lachen, die Witze. Sie taten mir fast weh.

Wir tanzten. Erst mit Edam, dann mit Kurt. Wie gut, dass er da war. Mit Herrn Schmidt machte ich einmal einen falschen Schritt, sah ihn fragend an. Sofort verstand er.

Nach all den Albernheiten: Marga sah er in die Augen, küsste ihren Arm, strich ihr über den Nacken.

Dann wollte er den „Rausschmeißer“ spielen, weil Edam und er noch in den Schweinestall wollten.

„Vorher Randhof?“, sagte Wally, „wir sind doch hier alle zu Hause.“

„Nur ich nicht“, erwiderte ich.

„Das ist toll. Willst du Wichtel rausschmeißen?“ Ich sah ihn an.

„Nein, das gibt’s doch nicht. Wichtel bleibt. Sie ist acht Tage nicht da gewesen.“

Und doch ging ich schließlich mit den beiden.

Draußen wurde er ernst. „Wichtel, warum hast du heute gar nicht gelacht?“

„Ich konnte einfach nicht. Ich weiß selbst nicht, warum.“

Ich solle nun wieder öfter kommen, sagte er.

Und ich dachte: Ja, die Zeit, die ich vielleicht noch hier bin.

Wir gingen durch den Schweinestall, er trug meine Laute. „Mit der Gitarre bin ich auch noch nicht im Mist gewesen.“ Da musste ich lachen.

Das kranke Schwein hatte er selbst verbunden. Sonst hätte er es schlachten müssen.
Gott, tut er so etwas wirklich selbst?

„Gute Nacht.“

Edam brachte mich hinauf.

Abends

Ich war heute wieder unten.

Ich traf Lotte und ihre Schwester Wally im Flecken. Wally war sehr nett. So gefallen mir alle viel besser.

Ich erzählte von Bine.

Er saß auf der Chaiselongue, begrüßte mich stürmisch und kümmerte sich dann gar nicht mehr um uns, saß da und las Zeitung.

Das Einzige, was er sagte, war: „Wichtel, wo ist der Baron hier?“

Und doch mochte ich ihn so viel lieber.

Als Edam kam, musste ich gehen. Mittwoch soll ich wiederkommen. Nun habe ich erst einmal Ruhe.

KI generiert

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar