
Sonntag, den 28. März 1926 – Mittags
Eben war ich unten. Alle Damen in Weiß. Man wollte spazieren gehen. Ich sollte mit, aber Bine hatte eine so schlechte Nacht, und da Mädi und ich ohnehin hin- und herliefen und es mir auch nicht recht gut ging, blieb ich hier. Nun soll ich abends kommen.
Ich habe mich stehend mit Frau Schmidt über die Liebe unterhalten. Reifel, Edam und Kurt waren da, dazu der ganze Damenflur. Fast alle in Weiß. Ich erzählte, dass Roland Mühlendahl kommen würde und Bine sich freue. Da sagte Frau Schmidt, Lotte solle doch für eine halbe Stunde mit nach oben kommen. Dann könne sich Bine gewiss verabschieden.
Wir gingen hinaus. Lotte lief schnell nach oben und wollte dann mitkommen.
Ich stand vor der Haustür und wartete auf sie. Da kam Kurt heraus. Er war heute so ernst und stellte sich hinter mich.
„Heute ist es köstlich. So schön. Gestern war es so herrlich“, sagte ich und sah zum Himmel.
„Ja. Ist der Baron noch immer so schlechter Laune gewesen?“
„Nein, jetzt war er nett, sehr nett.“
„So.“
Dann kam Reifel dazu, der mich immer neckt. Schließlich auch Edam. Alle sahen mich an. Edam fragte, warum ich am Abend so plötzlich verschwunden sei. „Es wurde mir zu laut.“
„Ich wollte Sie doch noch nach Hause bringen.“
„Nein, ich ging lieber allein.“ Da lachten alle.
Seidel meinte, Christian habe sich wohl sehr bemüht. Dann gingen die beiden, um sich die Stiefel anzuziehen.
Edam fragte, ob ich keine Lust hätte, mit ins Schlafzimmer zu kommen. Außerdem erzählte er, Lisa habe dem Chef gesagt, sie habe ein ganz schlechtes Gewissen ihm gegenüber, weil Edam sie geküsst habe.
Lotte ging mit mir. Seidel neckte Irene und Ise unaufhörlich, beinahe frech. Er meinte nur, wenn einem die Mädchen so entgegenkämen, könne man sich das wohl erlauben.
So sind die Männer.
Eigentlich bin ich todmüde. Aber ich muss mich umziehen: Lotte und Roland kommen.


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