Hedwig Oltrogge (1901 – 1983)


Die äußere Welt ist wie gestorben. Von dorther kommt ein Zug. Er kriegt den Weg, der in mein Märchenland führt.
Hedwig Oltrogge, 1925
Meine Urgroßtante, Hedwig, wurde am 4. Oktober 1901 in Neustadt geboren. Ihr Leben begann in einer Familie, deren Geschichte von Tragik, Liebe und außergewöhnlicher Stärke geprägt war. Ihre Eltern waren Hermann Luis Friedrich Oltrogge und Marie Sophie Rotermund. Doch die Familienverhältnisse waren kompliziert: Bevor Marie Hermann heiratete, war sie mit dessen jüngerem Bruder Otto Heinrich Bernhard verheiratet und hatte mit ihm zwei Kinder, Adolph und Käthe. Nach Ottos frühem Tod (1896) heiratete Marie schließlich Hermann, mit dem sie drei weitere Kinder bekam: Hermann (den Vater meines Großvaters), Hedwig und Marie.
Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit der Familie. Als Hedwig gerade einmal acht Jahre alt war, erlebte sie den vielleicht größten Verlust ihres Lebens. Nachdem auch ihr Vater 1909 verstorben war, bedeutete das für ihre Mutter Marie eine große Herausforderung. Sie musste nun fünf Kinder allein großziehen und sich um den Hof kümmern. Noch im selben Jahr ertrank sie in der Aller. Dieser tragische Verlust prägte die gesamte Familie.
Nach dem Tod ihrer Mutter fand Hedwig ein neues Zuhause bei ihrer Tante Ida, genannt Idel, in Hannover. Trotz der schwierigen Umstände ihrer Kindheit entwickelte sie sich zu einer beeindruckenden Frau mit einer starken Persönlichkeit. In Hannover machte sie eine Ausbildung zur Lehrerin – ein beachtlicher Schritt für eine junge Frau ihrer Zeit. Doch damit nicht genug: Hedwig ging noch weiter. Sie nahm eine Stelle als Gouvernante in einem Baronenhaushalt in Adelebsen an. Hier beginnt das Tagebuch…
