Schlagwort: Briefe

  • Unterwegs ins Morgen

    Unterwegs ins Morgen

    Dienstag, den 30. Juni 1925 Der meiste Besuch ist wieder abgereist. Also: Ich fahre morgen nach Göttingen und nach „Mariaspring“. Heute Morgen um acht lief ich mit der Katze ins untere Lustfeld – natürlich musste ausgerechnet Herr Schmidt mich sehen. Er wollte gern die Katze auf unserem Zimmer mal besuchen und machte deshalb Bine verschiedentlich…

  • Ein Sonnabend ohne Ziel

    Ein Sonnabend ohne Ziel

    Sonnabend, den 27. Juni 1925 Und ich bin gar nicht froh, obgleich die Sonne scheint, denn aus der Fahrt nach Göttingen wird scheinbar nichts. Entweder gehe ich nachher zu Pastors oder mache allein einen weiten Spaziergang. Der junge Pastor Hölscher schreibt mir, dass ihr Haus derartig unwirklich sei, dass es nicht ginge. Außerdem seien die…

  • Es wollte niemand mit mir tanzen

    Es wollte niemand mit mir tanzen

    Donnerstag, den 25. Juni 1925 Der Baron ist von seiner Reise zurück. Gestern Abend beim Essen – in Gegenwart von Herrn Schmidt – fragte er mich plötzlich: „Warum haben Sie denn auf dem Schützenfest gar nicht getanzt? Hat Sie etwa keiner aufgefordert?“Ich antwortete schlagfertig, während ich an meinem Brot kaute: „Nein, stellen Sie sich vor,…

  • Einsam mit Nietzsche

    Einsam mit Nietzsche

    Sonnabend, der 20. Juni 1925 „Nietzsches Briefe.“ Das also ist Nietzsche. Ich muss sagen, dass ich früher eine unbeschreibliche Angst vor ihm hatte – wie vor einem Dämon, der einen unausweichlich zu sich zieht und einem nur übermenschlich erscheint. Und doch: wie anders erscheint er mir nun in seinen Briefen! Wie kann ich ihn verstehen…

  • Freundinnen in Hannover

    Freundinnen in Hannover

    Donnerstag, den 28. Mai 1925 Das Kind kommt gerade heraus: „Ich will auch um Onkel Uli trauern.“ Und jetzt höre ich sie nebenan singen, nachdem sie mich lange hatte raten lassen, welche Bluse sie wohl anziehen würde. Alle sind wieder da. Morgen ist die Beisetzung. Und ich fahre am Samstag nach Hause, nach Hause, nach…

  • Sabinchen und ihr Waldi

    Sabinchen und ihr Waldi

    Dienstag, den 26. Mai 1925 Sabinchens Onkel Uli ist gestorben. Heute Morgen kam Mädi herauf, nahm das Kind auf den Schoß und sagte es ihr. Ich bewunderte ihre Selbstbeherrschung nachher bei Tisch. Und doch spürte ich die Trauer. Seit wir in den letzten Tagen ganz allein waren, bin ich ihr nähergekommen. Gemeinsamkeiten ergaben sich: Studenten,…

  • Gewitter und Gedanken

    Gewitter und Gedanken

    Sonnabend, den 23. Mai 1925 Es gewittert. Der Regen war nötig. Heute habe ich drei Briefe bekommen – von Koli, Käthe und Liesel. Herrlich! Wenn das Wetter morgen schön ist, fahren Sabinchen und ich zu Konrad Holscher. Gestern Abend war ich bei Pastors. Ein Fräulein Bauer vom Gut und Fräulein Sprenger, eine Lehrerin, waren auch…

  • Besuch von Baron von Götz

    Besuch von Baron von Götz

    Sonntag, den 17. Mai 1925 Die Fenster stehen weit offen, und die Abendluft strömt herein. Erfrischend nach den heißen Maitagen. Vom Karussell dringt Musik herüber: „Wenn du eine kleine Braut hast, der du alles stets vertraut hast…“ Ich konnte leider nicht herausfinden, woher das Lied kommt oder wer es geschrieben hat. Hätte es gerne gehört.…

  • Fehl am Platz

    Fehl am Platz

    Donnerstag, den 14. Mai 25 Heute kam ein Brief von Idel. Marie ist jetzt in Riethagen – Gott sei Dank! In Hannover konnte das so nicht weitergehen. Ich finde diese Weitergabe von Marie echt nicht in Ordnung. Aber gut.. Ich kann gut reden 100 Jahre später.. Es ist Abend, und ich bin müde von der…

  • Sorge um Marie

    Sorge um Marie

    Dienstag, den 12. Mai 1925 Draußen ist Mai. Herrlicher, sonniger Mai. Alles grünt und blüht, der Blick aus meinem Fenster ist bezaubernd. Ja, ich liebe den Mai auch. Beste Jahreszeit! Jeden Tag erhalte ich Briefe und Karten. In Hannover muss es jetzt schrecklich sein. Die arme Idel! Mariechen ist mit ihrer Dummheit so rücksichtslos. Tatsächlich…