Schlagwort: Vergangenheit

  • Sabinchen und ihr Waldi

    Sabinchen und ihr Waldi

    Dienstag, den 26. Mai 1925 Sabinchens Onkel Uli ist gestorben. Heute Morgen kam Mädi herauf, nahm das Kind auf den Schoß und sagte es ihr. Ich bewunderte ihre Selbstbeherrschung nachher bei Tisch. Und doch spürte ich die Trauer. Seit wir in den letzten Tagen ganz allein waren, bin ich ihr nähergekommen. Gemeinsamkeiten ergaben sich: Studenten,…

  • Gewitter und Gedanken

    Gewitter und Gedanken

    Sonnabend, den 23. Mai 1925 Es gewittert. Der Regen war nötig. Heute habe ich drei Briefe bekommen – von Koli, Käthe und Liesel. Herrlich! Wenn das Wetter morgen schön ist, fahren Sabinchen und ich zu Konrad Holscher. Gestern Abend war ich bei Pastors. Ein Fräulein Bauer vom Gut und Fräulein Sprenger, eine Lehrerin, waren auch…

  • Ausgeschlossen

    Ausgeschlossen

    Donnerstag, den 21. Mai 1925 – Himmelfahrt Alle sind weg. Per Auto irgendwohin. Das Kind fragte bei Tisch: „Soll Fräulein Oltrogge auch mit?“ „Nein, diesmal nicht.“ Ich weiß nicht mehr, wer es sagte, jedenfalls war es entsetzlich. Man fühlte wohl das Peinliche der Lage, und der Baron setzte hinzu: „Fräulein Oltrogge freut sich auch mal,…

  • Erst Mensch, dann Baron

    Erst Mensch, dann Baron

    Mittwoch, den 20. Mai 1925 – Mutters Geburtstag Die Baronin und Gräfin Inga sind in Imshausen. Statt ihrer ist Leo König, der Maler, bei uns. Er ist erst Mensch, dann Baron. Mädi war hinausgegangen. Ich wollte mit Sabine hinaufgehen. Ich stand neben dem Sessel des Barons, der mir ein Bild in der Illustrierten zeigte. Sabine…

  • Ein fremdes Zuhause

    Ein fremdes Zuhause

    Sonnabend, den 9. Mai 1925 Zwei Briefe habe ich heute erhalten: Einer von Tante Bertha, die von Maries glücklicher Abreise und der dort herrschenden Aufregung schreibt – Adolph, Vormund Idel, und so weiter. Der andere ist von Annemarie, die sich derzeit in Berchtesgaden aufhält, bald zu ihrem Bruder nach Gröben reist und anschließend nach Hannover.…

  • Unbeschreibliche Natur

    Unbeschreibliche Natur

    Donnerstag, den 7. Mai 1925 Bald ist eine Woche herum. Gestern erhielt ich dicke Briefe von Idel und Käthe, und heute kam eine Karte von Lotte mit der Nachricht von Lisa Poacks (richtig? Man weiß es nicht..) Vermählung. Die „Mami“ (Baronin) ist bis Sonnabend verreist. Am Morgen haben wir einen herrlichen Spaziergang gemacht, es war wie…

  • Weite Landschaften, weites Herz

    Weite Landschaften, weites Herz

    Dienstag, den 5. Mai 1925 Gestern habe ich mit Waldi einen herrlichen Abendspaziergang gemacht. Oh, war das schön! Ich fühlte mich wunderbar froh und leicht. Woran habe ich eigentlich gedacht? An den Göttinger Heimbund, an Goethe … So muss ihm zumute gewesen sein, als er zum ersten Mal das Straßburger Land durchquerte. Immer höher kletterten…

  • Der erste Eintrag

    Der erste Eintrag

    Sonntag, den 29. März 1925 – Hannover Eigentlich kein besonderer Tag heute, und doch da ich dieses Buch anfange, weiß ich nicht, was es alles umschließen wird. Ich ahne es nicht. In vier Wochen werde ich nicht mehr hier sein. Am 1. Mai geht‘s nach Göttingen – Adelebsen. Eine heimliche Angst begleitet mich, wie bei…