
Freitag, den 01. Januar 1926 – Neujahr
Was bringt mir 1926? Glück oder Leid? Erfüllung meines Herzenswunsches?
Dass ich ihn liebe, glaube ich zu wissen. Dass mir ohne ihn die Welt einsam und leer erscheint, habe ich gestern gemerkt. Wenn Idel nicht gewesen wäre, hätte ich wohl eine Dummheit begehen mögen. Weil ich gar nicht ahnen, nicht verstehen kann, warum sie nicht gekommen sind und mir keine Nachricht gegeben haben.
„Silvester ist mein Unglückstag.“
Wenn ihm nur nichts passiert ist. Oder haben sie mich ganz vergessen und in Peine gefeiert? Aber dann wäre ich doch nach Riethagen gefahren, wo Adolph mich so quälte. Oh, warum gibt Lotte mir keine Nachricht?
Um 8 Uhr zu Bett, ich schlief gleich ein. Schlag zwölf wachte ich auf: von allen Kirchtürmen der Stadt läuteten die Glocken. Da faltete ich die Hände und betete für den, den ich liebte. Obschon er mir wieder so weh getan hatte, daran dachte meine Liebe in diesem Augenblick schon nicht mehr.
Idel und ich gingen in die Garnisonkirche. Mit ganzem Herzen gab ich dem meine beiden Hände, der mich durch Freud und Leid hindurchführen kann.
Noch keine Nachricht, nur von Kali und Marie Jobst? Jetzt gehe ich zu Hilde Murtfelds Verlobung. Und morgen Abend fahre ich nach Riethagen.
Warum schreibt Lotte mir nicht?


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