Ein Tag, der alles wendet

1–2 Minuten

Dienstag, den 13. April 1926

Den 12. April werde ich nicht vergessen.

Es gibt Tage, da drängen sich die Ereignisse: silberne Hochzeit, Arzt, Krankenhaus, Adolph, Thyra, Marie und schließlich Dr. Brunes Rat: das Lindener Spezialkrankenhaus.

Was sollte ich tun?

Eine Stunde ging ich vor dem Bahnhof auf und ab und überlegte: Sollte ich eine Vertretung schicken? Sollte ich kündigen? Und woher das Geld nehmen?

Hermann sagte ich alles gleich. So musste ich es nicht länger allein tragen. Thyra ging in die Stadt, Marie zu Annemarie Hanel, und Hermann und ich gingen den schweren Weg gemeinsam hinauf.

Der ganze Tag war eine einzige Aufregung. Adolph: „Albernes Gegrübel. Natürlich gehst du mit, selbstverständlich!“

Dann die Briefe von der Baronin und von Lotte. Adolph wollte sie mir erst wegnehmen, doch schließlich wurde ich in den Salon geleitet – und da fiel mir ein Stein vom Herzen: Die Baronin will die Pfingst- und Herbstferien jetzt legen, ich bekomme also mein Gehalt.

Lotte schreibt lieb. Von ihm aber nur, dass er am dritten Ostertag mit seiner Schwester Wally, Irene und Ise nach Hannover gefahren ist. Mir hat er keine Nachricht gegeben.

Gestern um Mitternacht bin ich glücklich aufgewacht. Ich hatte den schönsten Traum. Er war dahin wie Wellenschaum: „Herz zu Herzen zärtlich spricht. Doch wir dürfen uns nicht lieben.“

Nun weiß ich, warum es mein Lieblingslied ist.

In die dunkle Nacht streckte ich meine gefalteten Hände: Warum, o Gott, dieses Schwere für mich? Ich habe ihn so lieb und muss ihn doch vergessen. Gerade deshalb, weil ich krank bin. Ich gebe ihn dir zurück. Aus deinen Händen habe ich ihn empfangen. Nimm ihn wieder in deine Hände und hilf mir.

Die silberne Hochzeit soll sehr nett gewesen sein: Käthe – die Königin, Emme – von Hermann zurückgesetzt und Marie – etwas komisch-tragisch. Sonst glänzende Stimmung.

Heute war unser Haus wie ein Taubenschlag. Kaum war der eine fort, kam der nächste.
Marie von Heine, eben noch Käthe. Ein Kommen und Gehen.

Hermann und ich haben uns zuletzt noch über die Fahrten mit Karlchen halb totgelacht. Und doch: sie findet keine Ruhe, weil Paul hier ist.

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