
Mittwoch, den 28. Juli 1926
Da haben Lotte und Kurt angerufen, ich müsste abends kommen. Dr. Reiler war auch da. Und nun soll am 17. August Lottes Verlobung sein und ich muss alles miterleben.
Lotte musste ihm etwas gesagt haben. Er war so gut zu mir, wie ein Bruder, der es gutmachen will. Er setzte sich auf meine Sofalehne und streichelte wieder und wieder mein Haar. Gar zu gern will er uns beiden Unglücklichen (denn der Doktor soll Lotte unglücklich lieben) helfen, aber so gelingt es ihm bestimmt nicht.
Rotwein. Anstoßen. Und dann wieder: Man könnte sich für mich keinen Ersatz denken, nein, nie.
Im Musikzimmer. Reiler spielt Klavier. Kurt sitzt neben mir auf dem Sofa. Ich fühle, dass es ihn drückt, und dann sagt er: „Wichtelchen, was soll ich denn nun anfangen, wenn Lottel und Wichtel mich verlassen?“
„Dann holen Sie sich die Sonne vom Rhein.“
Lachend, heiter wollte ich es sagen. Ob es doch traurig klang? Er sah mich an: „Wichtelchen?“ Und leise: „Ich kenne das Thema ja! Wichtelchen, du machst mir ja das Herz so schwer.“
„Nun, das will ich gar nicht, bestimmt, das will ich nicht.“ Und ich fühlte doch, wie glücklich er war, dass er das Herz am Rhein für sich gefunden hatte.
Und singen, wenn es auch schwerfiel. Den Glücklichen habe ich frohe und traurige Lieder gesungen. Dr. Reiler pfiff auf seinem Strohhalm. Edam und Legau gingen heim, man ließ mich noch nicht weg. Der Doktor brauste per Motorrad ab, und das erste Mal brachte Kurt mich an den Berg. Wir gingen nebeneinanderher. Vor Lottes Verlobung. Seine Sanftheit tat mir weh.
„Gute Nacht.“
Ja, ich wollte, ich erwachte nicht mehr. Dr. Reiler findet den Tod auch nicht tragisch.
„Wichtel, wie kommt das, dass ich dich jetzt noch viel lieber habe?“


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