Autor: Helene Oltrogge

  • Herbst ohne Schwermut

    Herbst ohne Schwermut

    Dienstag, den 29. September 1925 Nachmittags, 15:30 Uhr Ein sonniger Herbsttag. Nach der Schule machte ich mit Bine einen Spaziergang. Die Luft war klar, die Bäume bunt, die Sonne warm. Mit Munter gingen wir den Weg durch die Gärten hinauf zum Kirchhof. Überall arbeiteten die Leute auf den Kartoffelfeldern. Wie oft bin ich hier schon…

  • Ein Traum von Liebe

    Ein Traum von Liebe

    Montag, den 28. September 1925 Ich habe eben schon an Hilde geschrieben, dass sie am Sonnabend und Sonntag herkommen soll. Hoffentlich kann sie, denn so eine Tat muss einen auf andere Gedanken bringen. Heute bin ich viel versöhnter mit der Welt. Ich hatte einen wunderbaren Traum: Wir saßen nebeneinander, zuerst hatte ich ihm mit einem…

  • Zwischen zwei Welten

    Zwischen zwei Welten

    Sonntagmorgen, den 27. September 1925 Der Baron ist gestern bis 4:10 Uhr beim Erntefest geblieben. Er sagte immer:„Fräulein Oltrogge, warum sind Sie nicht wiedergekommen?“ Und zu Mädi sagte er: „Ihr habt etwas versäumt, es war glänzend. Ein sehr gelungenes Fest.“ Nun regnet und stürmt es wieder. Die Baronin und Mädi wollen zur Kirche, heute ist…

  • Ein Viertel Tanz

    Ein Viertel Tanz

    Sonnabend, den 26. September 1925 Nachmittag, 16:50 Uhr Um fünf beginnt das Erntefest. Bine und ich sollen vorher noch zum Kaffee kommen und dann gemeinsam mit den Schmidts hingehen. Das Pensionat und eine Freundin aus Peine sollten auf Kurts Wunsch eingeladen werden. Hoffentlich sind sie da! Heute Morgen wünschte ich, nicht hinzugehen. Jetzt denke ich:…

  • Romeo und Julia

    Romeo und Julia

    Donnerstagabend, den 24. September 1925 Gestern waren wir im Theater. Vorgestern, am Dienstagmittag, holte ich Lotte zu einem Sonnenspaziergang ab. Ein sonniger Weg zwischen hohen grünen Tannen, roten Fliegenpilzen am Boden und darüber der azurblaue Himmel. Sonne, Licht, Wärme, heitere Gespräche, Jauchzen und Singen. Ein Spätsommertag, an dem meine Sehnsucht gestillt war. Durch so viel…

  • Lottes Lachen füllt die Leere

    Lottes Lachen füllt die Leere

    Sonntagnachmittag, den 20. September 1925 Es stürmte. Graue Wolken zogen vorbei. Nur ganz in der Ferne war ein Streifen blauen Himmels zu sehen. Wieder allein. Am Morgen war ich bei Sonnenschein in der Kirche gewesen. Es waren aber nur wenige Menschen da. Mädi, Lotta, Mühlendahl und Bine machten später einen Spaziergang, während ich allein auf…

  • Eine geheime Verlobung

    Eine geheime Verlobung

    Sonnabend, den 19. September 1925 Herbsthimmel, Abend. Eben ging die Sonne zur Ruhe. Ich habe mit Lotte einen weiten Gang durch die Felder gemacht. Da hat sie mir erzählt, dass sie heimlich verlobt ist. Ihre Eltern wollen das aber nicht, weil er arm ist. Trotzdem schreiben sie sich immer. Ich könnte sie darum beneiden. Auch…

  • Glück, das nicht hält

    Glück, das nicht hält

    Freitag, den 18. September 1925 Es regnet wieder. Lotte Schmidts schöne Tour, das Heu und der Hafer. Bine schläft. Auf das Blechdach trommeln die Tropfen, und ich denke wieder ich träume. Aber es war doch wahr: Kirmes in Göttingen: Lotte und ich gingen untergehakt, die beiden Herren waren dauernd weg. Verloren im Spiel. Viel Geld…

  • Mit Lachen durchs Weserland

    Mit Lachen durchs Weserland

    Montag, den 14. September 1925 – Hann. Münden Heute ist Montag. Gestern… ach, war das schön! Ich saß noch an meinem Schreibtisch, als Herbert hereinstürmte und aufgeregt erzählte, dass Fräulein Schmidt angerufen hätte: ich solle um halb zwei mit meiner Gitarre unten sein. Wir führen nach Hann. Münden! Es konnte auf der Welt keinen glücklicheren…

  • Die Eule im Schornstein

    Die Eule im Schornstein

    Sonntag, den 13. September 1925 Während die beiden Mamis in der Kirche waren, hatte ich die drei Kinder und Muschi bei mir. Gemeinsam beobachteten wir die große Eule, die hoch oben im Schornstein gegenübersaß. Die Eule hatte den Baron heute früh veranlasst, im tiefsten Negligé heraufzukommen. Ich frisierte mich gerade, als Bine, die eben baden…