Autor: Helene Oltrogge

  • Scherz oder Schmerz?

    Scherz oder Schmerz?

    Sonntag, den 15. November 1925 – Kostümfest? Ich machte mich eben mit Bine auf den Weg runter aufs Gut. Sie weinte, weil ich nicht mitwollte. Lotte kam von oben angelaufen und brachte uns ins Herrenzimmer. Er saß, im braunen Anzug, neben mir. Frau Schmidt brachte Apfelkuchen. Dann gingen wir hinaus zur Schaukel. Er sang die…

  • Ein Herz in Flammen

    Ein Herz in Flammen

    Freitag, den 13. November 1925 War das ein Abend! Schlag acht ging ich mit meiner Laute und der Blendlaterne den Berg hinunter. Den allbekannten Weg. So froh. So glücklich. Über mir die Sterne. Es weht ein scharfer Ostwind. Drinnen war es warm. Frau Schmidt rief mich an den Ofen, ich sollte mir die kalten Hände…

  • Lachen oder Weinen

    Lachen oder Weinen

    Donnerstag, den 12. November 1925 Lachen möchte ich. Weinen möchte ich. Mir ist, als könnte es nicht sein. Ich muss für heute Abend Fräulein Sprenger abbestellen, denn Marga bleibt noch. Meine Laute soll ich mitbringen, aber ich will vorher noch üben. Selig hüpfte ich mit Bine die Uslar Chaussee hinunter, mitten auf der Straße musste…

  • Das Rad des Schicksals

    Das Rad des Schicksals

    Mittwoch, den 11. November 1925 Die beiden Ostfalen stehen rechts und links auf meinem Schreibtisch. Ach nein! Hermannsbruder, warum antwortest du mir nicht auf meinen Brief? Im Ofen prasselt das Feuer, draußen ist klarer, kalter Sternenhimmel. Erst war ich traurig. Wir waren unten. Er war zur Jagd ausgeritten und kam und kam nicht. Obwohl Marga…

  • Wenn alles still wird

    Wenn alles still wird

    Dienstag, den 10. November 1925 Ich weiß selbst nicht, warum ich so traurig bin. In „Rolandstimmung“, wie Bine sagt. Ihr ging es gerade so, dann kann ich sie leiden. „Wandern zwischen zwei Welten“ ging mir durch den Sinn. Ich sah die ganze Welt in Trauer und beneide die beiden nur. Als ich aufstand, kam die…

  • Ein peinlicher Abend

    Ein peinlicher Abend

    Sonntag, den 8. November 1925 – Traum? Halb vier. Gehe ich zu Schmidts oder nicht? Ein grauer, regnerischer Novembertag. Ich habe an Berlin geschrieben. Bine bekam einen Brief von Roland: meine Zeiten wären mehr für Terry, Tabby und Tammy gewesen als für ihn! „Ich möchte immer an seinem Bett sitzen und ihn pflegen!“, sagt das…

  • Ein Traum von Nähe

    Ein Traum von Nähe

    Sonnabend, den 7. November 1925 Bine und ich sind ganz allein. Um zwei kommt Margchen. Ich werde wohl auch heute nicht hinuntergehen. Und dann denke ich oft: Wenn du nun wieder hingehst, ob dann die Periode vorbei ist? Aber hier liegt noch der Brief an ihn, und Lotte hat meine Seite. Doch die Marga ist…

  • Glück in der Liebe?

    Glück in der Liebe?

    Freitag, den 6. November 1925 Heute kam von Käthe ein Brief. Gut, dass sie noch so viel Humor besitzt! Sie hat mich mit ihrem Brief zum Lachen gebracht. Zwar ist der Himmel blau, die Sonne lacht, aber wir gehen heute doch nicht zu Schmidts, denn Lotte holt ihre Freundin Marga aus Göttingen ab. Gestern Abend…

  • Nicht allein

    Nicht allein

    Mittwoch, den 4. November 1925 Der Sturm heult noch immer, aber der Himmel ist blau, und die Sonne lacht. Ich hab ihn wiedergesehen! Bine und ich waren um halb zwölf unten. Lotte in ihrer hochgestellten weißen Bluse mit dem blauen Bande führte uns ins Herrenzimmer. Vater und Sohn sind da. Er sitz am Schreibtisch und…

  • Aus Stein gehauen

    Aus Stein gehauen

    Dienstag, den 3. November 1925 Es regnet. Gut, dass ich nicht mitgefahren bin. Der Baron hatte mich noch nach Göttingen eingeladen. Bine quälte mich, ich sollte mit ihr hinuntergehen zu Schmidts. Nun tu ich das. Ich sah ihn eben in seiner Lederjacke auf dem Hof stehen. So, als wäre er aus Stein gehauen. Ganz wie…