Autor: Helene Oltrogge

  • „Scio nescio“ – ich weiß es auch nicht

    „Scio nescio“ – ich weiß es auch nicht

    Freitag, den 29. Januar 1926 Ich erwachte nach einem wunderbaren Traum: Ich war unten mit Lotte und Herr Edam zusammen. Kurt war in Hannover. Es war schon spät, und ich wollte nach Hause. Da ging die Tür auf und in Pelzmantel trat der ein, den ich fern glaubte. Wir sahen uns an, ich trat einen…

  • Die Worte fehlen

    Die Worte fehlen

    Mittwoch, den 27. Januar 1926 Käthes Geburtstag! Draußen das reinste Frühlingswetter. Tante Marickel kommt. Ich bin unten zum Tee eingeladen, komme deshalb wohl wieder nicht hinunter. Sie fahren ja auch sicher ins Theater. Es läuft Othello. Er fragte mich, ob ich es kenne. Ja! Ob Handlung darin sei. „Der Mann ermordet seine Frau aus Eifersucht!“…

  • Frauen unter sich

    Frauen unter sich

    Dienstag, den 26. Januar 1926 Drei Briefe: von Idel, Liesel und Koli. Alle drei schwermütig. Koli hat mir nur noch eine unaussprechbare Hoffnung anvertraut. Wenn das nichts wird, bleibt sie allein. Ich muss ihr gleich schreiben und ihr helfen. Es geht ihr doch wie mir. Nachmittags waren Fräulein Sprenger und ich bei ihr. Abends Jungfer…

  • Feuer im Musikzimmer

    Feuer im Musikzimmer

    Montag, den 25. Januar 1926 Feuer ist unten gewesen. Eine Stunde später und das ganze Haus hätte gebrannt. Und zwar im Musikzimmer. Er schläft gerade darüber, und dabei haben wir doch gar nicht so eingeheizt gehabt. Der alte Schmidt meinte, das käme von meinem heißen Blut, ich hätte da an der Wand gesessen. Frau Schmidt…

  • Das Lachen bleibt

    Das Lachen bleibt

    Sonntag, den 24. Januar 1926 Ja, das heitere Leben! Geistiges, pulsierendes, jauchzendes, freudiges Leben! Solch ein Sonntag! Morgens: Freigeist. Schularbeiten in Theorie und Praxis. Gelesen, bis mir der Kopf rauchte. Bine war immer unten, da hatte ich Muße. Bei Tisch fragt mich die Baronin, ob ich hinunterginge. „Ja, nach dem Kaffee.“ Also nun war es…

  • Ein neuer Faden

    Ein neuer Faden

    Sonnabend, den 23. Januar 1926 Gestern kam ein Brief von Lottes Kurt und 15 Mark. Dafür soll ich ihr Rosen oder Nelken zum Verlobungstag kaufen. Auch wenn ich wollte, nun kann ich wohl mehr zurück. Das ist wieder ein Faden, der gesponnen ist, der hinüber- und herüberläuft, den ich nicht zerreißen kann zwischen Schmidts und…

  • Wie eine Schwester

    Wie eine Schwester

    Mittwoch, den 20. Januar 1926 Gestern Abend war Lotte bei mir. Bis spät in die Nacht hinein haben wir erzählt, dicht nebeneinander auf dem Sofa. Sie hielt meine Hand in ihren guten, großen Händen und streichelte sie immerzu. Sie hat so viel Mütterliches, echt Frauliches. Und doch sind wir oft wie nur Mädchen sein können:…

  • Ein halber Blick

    Ein halber Blick

    Sonntag, den 17. Januar 1926 Ich bin schon den ganzen Morgen bei Bine. Baron Clierhausen (?) fragte, ob ich mitwollte? Herr Schmidt. Halle. Mittags rief Lotte mich an, ich solle kommen. Um fünf gehe ich hinunter. Edam. Schneeball! Eben ist der Chef wiedergekommen. Es wäre mir lieber gewesen, er wäre früher gekommen. Lotte im roten…

  • Hinter roten Vorhängen

    Hinter roten Vorhängen

    Sonnabend, den 16. Januar 1926 Strahlende Sonne auf weiß leuchtendem Schnee. Jetzt eine Schlittenfahrt durch verschneite Wälder, über Berge, durch Täler und leise müssen die Glöcklein klingen. Wieder Krankenschwester hier oben, und meine Sehnsucht wandert hinaus. Und ich denke: Jetzt sehen sie da unten die roten Vorhänge und werden wissen, warum ich nicht komme. Wenn…

  • Ein Wichtel unter vielen

    Ein Wichtel unter vielen

    Freitag, den 15. Januar 1926 … und bin doch gegangen. Das Geschick wollte es: Frl. Sprenger war nicht da, also weiter. Helles Licht und Lachen. Ob Marga schon da war? Ich klingelte. Er öffnete: blauer Anzug, strahlend. Marga ebenfalls. Lotte kommt abends, nun tut ihm sein Brief schon leid. Im Zimmer waren alle: seine Mutter,…