Autor: Helene Oltrogge
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Eine Unmenge an Liebe
Donnerstagabend, den 26. November 1925 Nur wissen möchte ich, ob er um meine Liebe weiß. Wie soll das so weitergehen? Jeden Tag sehen und jeden Tag schweigen? Heute liegt tiefer Schnee, und es friert dazu. Edam will sich seine Schlittschuhe schicken lassen. Der Chef will Schneeschuh laufen. Ich möchte im Schlitten durch die weiße, weite…
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Gemeinsame Lieder
Dienstagabend, den 24. November 1925 Heute kommt Fräulein Sprenger. Jetzt sollten wir eigentlich unten sein. Zum Pokern und tanzen. Mittags waren wir unten. Schmidts luden Bine gleich wieder dazu ein, aber Mami erlaubte es heute nicht, weil G.G. Geburtstag hat. Ich habe der Baronin deshalb versprochen, Abend nicht mehr hinunterzugehen. Ich war ja auch gestern…
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Der Traum von Mutter
Totensonntag, den 22. November 1925 Ich war in der Kirche. Ich dachte an Vater und Mutter und an den Traum von gestern: Ich stand auf dem Kirchhof in Riethagen und sah, dass auf allen Gräbern Blumen blühten. Am meisten auf Mamas Grab: gelbe und rote Blumen in Fülle. Ich glaube, es waren Margeriten. Meistens, wenn…
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Zorn und Zärtlichkeit
Sonnabend, den 21. November 1925 Morgens Ist das möglich? Die Baronin, die Liebenswürdigkeit selbst! Es hätte ihr leidgetan, dass sie mich hätte rufen müssen. Ich wäre doch sicher noch gern länger geblieben. Beim Frühstück bemühte sie sich, mich zu unterhalten. Ich war wie sonst höflich, aber es braucht sie nicht zu wundern, wenn ich mit…
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Jagdtag
Freitag, den 20. November 1925 Alles weiß vom Frost. Jagd! Ich habe frei! Ich laufe um zehn Uhr hinunter. Ich will mit Lotte ausgehen. Der Baron lud mich zwar zum Jagdfrühstück ein, aber ich lehnte ab. Was soll ich dort? Es würde mir höchstens leidtun, wenn er da ist und auf mich warten sollte. Sie…
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Bines Sklavin
Donnerstag, den 19. November 1925 Das schönste Wetter. Und ich bin wirklich fast Bines Sklavin. Ich darf nicht weggehen. Sie sagt zu ihrer Mami, sie käme um halb sechs hinunter, also so lange muss ich bleiben. Und sie würde mich auch dann nicht fortlassen, wenn ich nicht für ihre Mami zur Post müsste. Jedenfalls laufe…
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Ein Bußtag im Sturm
Mittwoch, den 18. November 1925 – Bußtag Schneidend scharf ist der Wind. Das Kind liegt im Bett, und ich muss im Hause bleiben. Immer im Haus… gefangen. Wie anspruchsvoll die Menschen sein können. Heute Abend kommt Fräulein Sprenger, und ich habe ihr nichts anzubieten, gar nichts. Sogar wenn ich an etwas anderes denke, merkt das…
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Der rote Weg
Dienstag, den 17. November 1925 Bine ist noch immer erkältet. Nach Tisch ging ich hinunter. Niemand war da. Lotte sollte um zwei aus Göttingen kommen. Ich ging über den Hof zur Bahn, aber statt Lotte kamen nur viele Juden. So klar der Himmel, so herb und frisch die Luft! Wohin sollte ich gehen? Den roten…
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Das Kostümfest
Montag, den 16. November 1925 Bine ist erkältet. Sie schläft bei ihrer Mami auf der Chaiselongue. Draußen schmilzt der Schnee und der blaue Himmel bricht durch. Und gestern… was für ein Tag! Nach dem Kaffee lief ich hinunter. Jetzt kommt es mir fast selbstverständlich vor. Alle waren da. Wir spielten und lachten. Ich spielte mit…
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Scherz oder Schmerz?
Sonntag, den 15. November 1925 – Kostümfest? Ich machte mich eben mit Bine auf den Weg runter aufs Gut. Sie weinte, weil ich nicht mitwollte. Lotte kam von oben angelaufen und brachte uns ins Herrenzimmer. Er saß, im braunen Anzug, neben mir. Frau Schmidt brachte Apfelkuchen. Dann gingen wir hinaus zur Schaukel. Er sang die…
