Autor: Helene Oltrogge

  • Märchenhafte Schlittenfahrt

    Märchenhafte Schlittenfahrt

    Sonntag, den 6. Dezember 1925 – 2. Advent Halb Zehn. Ehe ich schlafen gehe, bade ich wieder, und dann liege ich noch wach und will mich freuen. Ich freue mich über den heutigen Tag! Morgens die märchenhaft schöne Schlittenfahrt! Gleich nach dem Frühstück ging ich hinunter. Vorher redete mir die Baronin noch zu. Sie wollte…

  • Der Zweck des Lebens

    Der Zweck des Lebens

    Mittwoch, den 2. Dezember 1925 Dicke Flocken, die Welt ist weiß von Schnee. Jetzt kommt Lotte aus Göttingen zurück. Ob sie mit uns rodeln geht? Morgen und übermorgen reist die Baronin nach Hannover, ich kann also morgen nicht zu Lotte, wie verabredet. Marie Reichert schreibt: „Wenn du erst ganz wieder hier bist – dann…“ Und…

  • Rodeln, Lachen und Lieben

    Rodeln, Lachen und Lieben

    Montag, den 30. November 1925 Bine und ich waren auf der Rodelbahn „hinterm Prebsen“. Donnerwetter, war die Bahn glatt und schneidig! Kindergewinnend. Fräulein Prieß war da und ich glaube, das war ihr Freund. Jetzt bin ich todmüde. Am liebsten würde ich gleich baden, dann zu Bett gehen, träumen. Ich träumte von allem, was ich erlebt…

  • Eine Unmenge an Liebe

    Eine Unmenge an Liebe

    Donnerstagabend, den 26. November 1925 Nur wissen möchte ich, ob er um meine Liebe weiß. Wie soll das so weitergehen? Jeden Tag sehen und jeden Tag schweigen? Heute liegt tiefer Schnee, und es friert dazu. Edam will sich seine Schlittschuhe schicken lassen. Der Chef will Schneeschuh laufen. Ich möchte im Schlitten durch die weiße, weite…

  • Gemeinsame Lieder

    Gemeinsame Lieder

    Dienstagabend, den 24. November 1925 Heute kommt Fräulein Sprenger. Jetzt sollten wir eigentlich unten sein. Zum Pokern und tanzen. Mittags waren wir unten. Schmidts luden Bine gleich wieder dazu ein, aber Mami erlaubte es heute nicht, weil G.G. Geburtstag hat. Ich habe der Baronin deshalb versprochen, Abend nicht mehr hinunterzugehen. Ich war ja auch gestern…

  • Der Traum von Mutter

    Der Traum von Mutter

    Totensonntag, den 22. November 1925 Ich war in der Kirche. Ich dachte an Vater und Mutter und an den Traum von gestern: Ich stand auf dem Kirchhof in Riethagen und sah, dass auf allen Gräbern Blumen blühten. Am meisten auf Mamas Grab: gelbe und rote Blumen in Fülle. Ich glaube, es waren Margeriten. Meistens, wenn…

  • Zorn und Zärtlichkeit

    Zorn und Zärtlichkeit

    Sonnabend, den 21. November 1925 Morgens Ist das möglich? Die Baronin, die Liebenswürdigkeit selbst! Es hätte ihr leidgetan, dass sie mich hätte rufen müssen. Ich wäre doch sicher noch gern länger geblieben. Beim Frühstück bemühte sie sich, mich zu unterhalten. Ich war wie sonst höflich, aber es braucht sie nicht zu wundern, wenn ich mit…

  • Jagdtag

    Jagdtag

    Freitag, den 20. November 1925 Alles weiß vom Frost. Jagd! Ich habe frei! Ich laufe um zehn Uhr hinunter. Ich will mit Lotte ausgehen. Der Baron lud mich zwar zum Jagdfrühstück ein, aber ich lehnte ab. Was soll ich dort? Es würde mir höchstens leidtun, wenn er da ist und auf mich warten sollte. Sie…

  • Bines Sklavin

    Bines Sklavin

    Donnerstag, den 19. November 1925 Das schönste Wetter. Und ich bin wirklich fast Bines Sklavin. Ich darf nicht weggehen. Sie sagt zu ihrer Mami, sie käme um halb sechs hinunter, also so lange muss ich bleiben. Und sie würde mich auch dann nicht fortlassen, wenn ich nicht für ihre Mami zur Post müsste. Jedenfalls laufe…

  • Ein Bußtag im Sturm

    Ein Bußtag im Sturm

    Mittwoch, den 18. November 1925 – Bußtag Schneidend scharf ist der Wind. Das Kind liegt im Bett, und ich muss im Hause bleiben. Immer im Haus… gefangen. Wie anspruchsvoll die Menschen sein können. Heute Abend kommt Fräulein Sprenger, und ich habe ihr nichts anzubieten, gar nichts. Sogar wenn ich an etwas anderes denke, merkt das…