Autor: Helene Oltrogge

  • Gewitter und Gedanken

    Gewitter und Gedanken

    Sonnabend, den 23. Mai 1925 Es gewittert. Der Regen war nötig. Heute habe ich drei Briefe bekommen – von Koli, Käthe und Liesel. Herrlich! Wenn das Wetter morgen schön ist, fahren Sabinchen und ich zu Konrad Holscher. Gestern Abend war ich bei Pastors. Ein Fräulein Bauer vom Gut und Fräulein Sprenger, eine Lehrerin, waren auch…

  • Ausgeschlossen

    Ausgeschlossen

    Donnerstag, den 21. Mai 1925 – Himmelfahrt Alle sind weg. Per Auto irgendwohin. Das Kind fragte bei Tisch: „Soll Fräulein Oltrogge auch mit?“ „Nein, diesmal nicht.“ Ich weiß nicht mehr, wer es sagte, jedenfalls war es entsetzlich. Man fühlte wohl das Peinliche der Lage, und der Baron setzte hinzu: „Fräulein Oltrogge freut sich auch mal,…

  • Erst Mensch, dann Baron

    Erst Mensch, dann Baron

    Mittwoch, den 20. Mai 1925 – Mutters Geburtstag Die Baronin und Gräfin Inga sind in Imshausen. Statt ihrer ist Leo König, der Maler, bei uns. Er ist erst Mensch, dann Baron. Mädi war hinausgegangen. Ich wollte mit Sabine hinaufgehen. Ich stand neben dem Sessel des Barons, der mir ein Bild in der Illustrierten zeigte. Sabine…

  • Ein Gebet in der Nacht

    Ein Gebet in der Nacht

    Dienstag, den 19. Mai 1925 Die Abende dürfen nicht sein, denn dann erwacht die Sehnsucht. Ich stehe am Fenster, schaue nach Westen, wo die Sonne blutrot verschwand, und denke an Hannover. Mein Leben zieht in Bildern an mir vorbei. Ich nehme meine Gitarre, doch statt hell und fröhlich zu singen, zieht es mich innerlich nieder,…

  • Besuch von Baron von Götz

    Besuch von Baron von Götz

    Sonntag, den 17. Mai 1925 Die Fenster stehen weit offen, und die Abendluft strömt herein. Erfrischend nach den heißen Maitagen. Vom Karussell dringt Musik herüber: „Wenn du eine kleine Braut hast, der du alles stets vertraut hast…“ Ich konnte leider nicht herausfinden, woher das Lied kommt oder wer es geschrieben hat. Hätte es gerne gehört.…

  • Fehl am Platz

    Fehl am Platz

    Donnerstag, den 14. Mai 25 Heute kam ein Brief von Idel. Marie ist jetzt in Riethagen – Gott sei Dank! In Hannover konnte das so nicht weitergehen. Ich finde diese Weitergabe von Marie echt nicht in Ordnung. Aber gut.. Ich kann gut reden 100 Jahre später.. Es ist Abend, und ich bin müde von der…

  • Ein neues Leben

    Ein neues Leben

    Mittwoch, den 13. Mai 1925 Wir haben jetzt unseren eigenen Garten! Ich habe tatsächlich alles mit meinem kleinen Verstand zuwege gebracht. Es ist zwar etwas anstrengend, aber man wird so herrlich müde davon und grübelt abends nicht mehr stundenlang, ehe man einschläft. Ich finde es ganz Schade, dass Hedwig sich immer so klein macht. Von…

  • Sorge um Marie

    Sorge um Marie

    Dienstag, den 12. Mai 1925 Draußen ist Mai. Herrlicher, sonniger Mai. Alles grünt und blüht, der Blick aus meinem Fenster ist bezaubernd. Ja, ich liebe den Mai auch. Beste Jahreszeit! Jeden Tag erhalte ich Briefe und Karten. In Hannover muss es jetzt schrecklich sein. Die arme Idel! Mariechen ist mit ihrer Dummheit so rücksichtslos. Tatsächlich…

  • Ein fremdes Zuhause

    Ein fremdes Zuhause

    Sonnabend, den 9. Mai 1925 Zwei Briefe habe ich heute erhalten: Einer von Tante Bertha, die von Maries glücklicher Abreise und der dort herrschenden Aufregung schreibt – Adolph, Vormund Idel, und so weiter. Der andere ist von Annemarie, die sich derzeit in Berchtesgaden aufhält, bald zu ihrem Bruder nach Gröben reist und anschließend nach Hannover.…

  • Unbeschreibliche Natur

    Unbeschreibliche Natur

    Donnerstag, den 7. Mai 1925 Bald ist eine Woche herum. Gestern erhielt ich dicke Briefe von Idel und Käthe, und heute kam eine Karte von Lotte mit der Nachricht von Lisa Poacks (richtig? Man weiß es nicht..) Vermählung. Die „Mami“ (Baronin) ist bis Sonnabend verreist. Am Morgen haben wir einen herrlichen Spaziergang gemacht, es war wie…