Autor: Helene Oltrogge

  • Wenn alles still wird

    Wenn alles still wird

    Dienstag, den 10. November 1925 Ich weiß selbst nicht, warum ich so traurig bin. In „Rolandstimmung“, wie Bine sagt. Ihr ging es gerade so, dann kann ich sie leiden. „Wandern zwischen zwei Welten“ ging mir durch den Sinn. Ich sah die ganze Welt in Trauer und beneide die beiden nur. Als ich aufstand, kam die…

  • Ein peinlicher Abend

    Ein peinlicher Abend

    Sonntag, den 8. November 1925 – Traum? Halb vier. Gehe ich zu Schmidts oder nicht? Ein grauer, regnerischer Novembertag. Ich habe an Berlin geschrieben. Bine bekam einen Brief von Roland: meine Zeiten wären mehr für Terry, Tabby und Tammy gewesen als für ihn! „Ich möchte immer an seinem Bett sitzen und ihn pflegen!“, sagt das…

  • Ein Traum von Nähe

    Ein Traum von Nähe

    Sonnabend, den 7. November 1925 Bine und ich sind ganz allein. Um zwei kommt Margchen. Ich werde wohl auch heute nicht hinuntergehen. Und dann denke ich oft: Wenn du nun wieder hingehst, ob dann die Periode vorbei ist? Aber hier liegt noch der Brief an ihn, und Lotte hat meine Seite. Doch die Marga ist…

  • Glück in der Liebe?

    Glück in der Liebe?

    Freitag, den 6. November 1925 Heute kam von Käthe ein Brief. Gut, dass sie noch so viel Humor besitzt! Sie hat mich mit ihrem Brief zum Lachen gebracht. Zwar ist der Himmel blau, die Sonne lacht, aber wir gehen heute doch nicht zu Schmidts, denn Lotte holt ihre Freundin Marga aus Göttingen ab. Gestern Abend…

  • Nicht allein

    Nicht allein

    Mittwoch, den 4. November 1925 Der Sturm heult noch immer, aber der Himmel ist blau, und die Sonne lacht. Ich hab ihn wiedergesehen! Bine und ich waren um halb zwölf unten. Lotte in ihrer hochgestellten weißen Bluse mit dem blauen Bande führte uns ins Herrenzimmer. Vater und Sohn sind da. Er sitz am Schreibtisch und…

  • Aus Stein gehauen

    Aus Stein gehauen

    Dienstag, den 3. November 1925 Es regnet. Gut, dass ich nicht mitgefahren bin. Der Baron hatte mich noch nach Göttingen eingeladen. Bine quälte mich, ich sollte mit ihr hinuntergehen zu Schmidts. Nun tu ich das. Ich sah ihn eben in seiner Lederjacke auf dem Hof stehen. So, als wäre er aus Stein gehauen. Ganz wie…

  • Ein merkwürdiger Händedruck

    Ein merkwürdiger Händedruck

    Montag, den 2. November 1925 Oh, wenn er mich doch liebte! Keinen anderen, nur ihn. Alle anderen könnten mir so egal sein! Ich glaube, jetzt erst weiß ich, wie sehr ich ihn liebe. Ob es niemand merkt? Ob Lotte, ob seine Mutter, ob er selbst es ahnt? Mir ist so seltsam zumute. Eben sagte mir…

  • Wie frisch aus der Heide

    Wie frisch aus der Heide

    Sonntag, den 31. Oktober 1925 Es ist zehn Uhr. Draußen liegt dichter, dicker Nebel. Als Lotte Bine und mich nach oben brachte, sah der Mond aus wie ein roter Lampion über der Mauer. Morgens waren Bine und ich unten. Ein Auto fuhr uns noch vors Tor. Wir riefen hinaus: „Hallo! Hallo!“ Aber Lotte war nicht…

  • Er ist wieder da

    Er ist wieder da

    Freitag, den 30. Oktober 1925 Meine Augen tun mir weh vom Weinen. Und doch ist die Herbstwelt so wunder-, wunderschön. Als ich den Berg hinaufstieg, Lotte wollte mich erst hinaufbringen, da sah ich den Nebel über das grüne, grüne Tal ziehen. Über mir der helle Sternenhimmel, und über dem Gut stieg der gelbe Mond auf.…

  • Gebundene Hände

    Gebundene Hände

    Mittwoch, den 28. Oktober 1925 Und da soll man nicht verzweifeln? Trotz der vielen belastenden Briefe von Idel? Adolph hat kein Geld, sie hat kein Geld, und Hermann auch nicht… Eine Karte von Hermann kam heute. Ich will ihm schreiben. Wenn ich doch reich wäre! Wie oft wünsche ich mir, dass ich den Meinen aus…