Autor: Helene Oltrogge

  • Feuer im Musikzimmer

    Feuer im Musikzimmer

    Montag, den 25. Januar 1926 Feuer ist unten gewesen. Eine Stunde später und das ganze Haus hätte gebrannt. Und zwar im Musikzimmer. Er schläft gerade darüber, und dabei haben wir doch gar nicht so eingeheizt gehabt. Der alte Schmidt meinte, das käme von meinem heißen Blut, ich hätte da an der Wand gesessen. Frau Schmidt…

  • Das Lachen bleibt

    Das Lachen bleibt

    Sonntag, den 24. Januar 1926 Ja, das heitere Leben! Geistiges, pulsierendes, jauchzendes, freudiges Leben! Solch ein Sonntag! Morgens: Freigeist. Schularbeiten in Theorie und Praxis. Gelesen, bis mir der Kopf rauchte. Bine war immer unten, da hatte ich Muße. Bei Tisch fragt mich die Baronin, ob ich hinunterginge. „Ja, nach dem Kaffee.“ Also nun war es…

  • Ein neuer Faden

    Ein neuer Faden

    Sonnabend, den 23. Januar 1926 Gestern kam ein Brief von Lottes Kurt und 15 Mark. Dafür soll ich ihr Rosen oder Nelken zum Verlobungstag kaufen. Auch wenn ich wollte, nun kann ich wohl mehr zurück. Das ist wieder ein Faden, der gesponnen ist, der hinüber- und herüberläuft, den ich nicht zerreißen kann zwischen Schmidts und…

  • Wie eine Schwester

    Wie eine Schwester

    Mittwoch, den 20. Januar 1926 Gestern Abend war Lotte bei mir. Bis spät in die Nacht hinein haben wir erzählt, dicht nebeneinander auf dem Sofa. Sie hielt meine Hand in ihren guten, großen Händen und streichelte sie immerzu. Sie hat so viel Mütterliches, echt Frauliches. Und doch sind wir oft wie nur Mädchen sein können:…

  • Ein halber Blick

    Ein halber Blick

    Sonntag, den 17. Januar 1926 Ich bin schon den ganzen Morgen bei Bine. Baron Clierhausen (?) fragte, ob ich mitwollte? Herr Schmidt. Halle. Mittags rief Lotte mich an, ich solle kommen. Um fünf gehe ich hinunter. Edam. Schneeball! Eben ist der Chef wiedergekommen. Es wäre mir lieber gewesen, er wäre früher gekommen. Lotte im roten…

  • Hinter roten Vorhängen

    Hinter roten Vorhängen

    Sonnabend, den 16. Januar 1926 Strahlende Sonne auf weiß leuchtendem Schnee. Jetzt eine Schlittenfahrt durch verschneite Wälder, über Berge, durch Täler und leise müssen die Glöcklein klingen. Wieder Krankenschwester hier oben, und meine Sehnsucht wandert hinaus. Und ich denke: Jetzt sehen sie da unten die roten Vorhänge und werden wissen, warum ich nicht komme. Wenn…

  • Ein Wichtel unter vielen

    Ein Wichtel unter vielen

    Freitag, den 15. Januar 1926 … und bin doch gegangen. Das Geschick wollte es: Frl. Sprenger war nicht da, also weiter. Helles Licht und Lachen. Ob Marga schon da war? Ich klingelte. Er öffnete: blauer Anzug, strahlend. Marga ebenfalls. Lotte kommt abends, nun tut ihm sein Brief schon leid. Im Zimmer waren alle: seine Mutter,…

  • Ein Tag in Stichworten

    Ein Tag in Stichworten

    Donnerstag, den 14. Januar 1926 – Göttingen, Nikolausberg Nein, was war das wieder für ein Tag. Stichworte müssen genügen: Die Nacht geschneit, eisig kalt. Kramer, offener Wagen, Gräfin Inge und ich, zwei mal zwei Rückfahrkarten. Wandern getrennt zum Friedländer Weg. Direkt weiß, gütig, sehr nett. Bine erst im Jahr gegrüßt. Besorgungen, Zwei Mal verlaufen. Um…

  • Schritte auf dem Flur

    Schritte auf dem Flur

    Dienstag, den 12. Januar 1926 „Ja, der Sonnenschein … hat’s fein!“ Dieses Lied summte ich den ganzen Tag. Es war auch blendender Sonnenschein. Morgens waren viele Eisblumen am Fenster. Nach Tisch saß ich im Sessel am Ofen und dachte daran, dass man uns unten sicher erwartete. Warum sonst hatte er früh morgens so lange am…

  • Der alte Lieblingsweg

    Der alte Lieblingsweg

    Montag, den 11. Januar 1926 Nach der Schule machten wir einen Spaziergang auf den Lechtmer Berg. Den alten Lieblingsweg entlang. Wie oft waren wir ihn schon gegangen? Im Frühling, wenn alles grünte und blühte. Nur der dicke Turm dahinter nicht, der behielt immer sein gleiches Gesicht. Wie oft hatten wir dort die Bahn in die…