Schlagwort: Einsamkeit
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Die Reise ins Märchenland
Dienstag, den 7. Juli 1925 Zurück aus Hannover. Am Sonnabend fuhr ich mittags weg. Bine und ich kamen etwas nach neun die Treppe herunter, unten warteten Tante Ilse und Herr Schmidt auf den Tee, den die Tante aus Furcht vor ihrer Nichte Mädi nicht zu machen wagte. Ich übernahm es also. Bald stellte sich auch…
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Die Unsterblichkeit der Maikäfer
Montag, den 29. Juni 1925 Am Himmel der leuchtende Halbmond. Eigentlich wollte ich allein einen Abendgang machen, aber nun ist so viel Besuch da und ich habe keinen Hausschlüssel. Nun liegt eine süße, kleine Katze in meinem Schoß – solch ein hilfloses kleines Wesen mit großen blauen Augen und rosa Pfötchen. Es ist ein wunderbar…
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Ein Sonnabend ohne Ziel
Sonnabend, den 27. Juni 1925 Und ich bin gar nicht froh, obgleich die Sonne scheint, denn aus der Fahrt nach Göttingen wird scheinbar nichts. Entweder gehe ich nachher zu Pastors oder mache allein einen weiten Spaziergang. Der junge Pastor Hölscher schreibt mir, dass ihr Haus derartig unwirklich sei, dass es nicht ginge. Außerdem seien die…
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Die Einsamkeit der Anderen
Mittwoch, den 24. Juni 1925 Nach all den Regentagen heute endlich Sonnenschein. Nach der Schule ging ich mit Sabinchen spazieren – herrlich warm war es. An den Wegen blühten noch immer die Heckenrosen. Ich pflückte mir nur zwei. Wenn sie beim Pflücken die Köpfe hängen ließen, dann ließ ich sie lieber am Strauch. Gerade wollten…
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Einsam mit Nietzsche
Sonnabend, der 20. Juni 1925 „Nietzsches Briefe.“ Das also ist Nietzsche. Ich muss sagen, dass ich früher eine unbeschreibliche Angst vor ihm hatte – wie vor einem Dämon, der einen unausweichlich zu sich zieht und einem nur übermenschlich erscheint. Und doch: wie anders erscheint er mir nun in seinen Briefen! Wie kann ich ihn verstehen…
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Ein Herz, das still werden will
Sonntag, den 14. Juni 1925 Alle im Hause sind äußerst liebenswürdig zu mir. Die Sache von gestern ist mit keinem Wort erwähnt worden . Entweder soll sie nun totgeschwiegen werden, oder aber sie haben mich wirklich gern. Heute kommt wieder Besuch. Sabinchen sollte ich vorhin in Berggarten sagen, dass ich sie von all meinen Kindern…
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Ein Gebet in der Nacht
Dienstag, den 19. Mai 1925 Die Abende dürfen nicht sein, denn dann erwacht die Sehnsucht. Ich stehe am Fenster, schaue nach Westen, wo die Sonne blutrot verschwand, und denke an Hannover. Mein Leben zieht in Bildern an mir vorbei. Ich nehme meine Gitarre, doch statt hell und fröhlich zu singen, zieht es mich innerlich nieder,…
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Besuch von Baron von Götz
Sonntag, den 17. Mai 1925 Die Fenster stehen weit offen, und die Abendluft strömt herein. Erfrischend nach den heißen Maitagen. Vom Karussell dringt Musik herüber: „Wenn du eine kleine Braut hast, der du alles stets vertraut hast…“ Ich konnte leider nicht herausfinden, woher das Lied kommt oder wer es geschrieben hat. Hätte es gerne gehört.…
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Fehl am Platz
Donnerstag, den 14. Mai 25 Heute kam ein Brief von Idel. Marie ist jetzt in Riethagen – Gott sei Dank! In Hannover konnte das so nicht weitergehen. Ich finde diese Weitergabe von Marie echt nicht in Ordnung. Aber gut.. Ich kann gut reden 100 Jahre später.. Es ist Abend, und ich bin müde von der…

