Zwischen drei Blicken

3–5 Minuten

13. Juni 1926 – Geburtstag von Frau Schmidt

Montag, den 14. Juni 1926

Bine weint eigensinnig, weil ich auf dem Spaziergang nicht beide Hände nehmen will. Diesmal bin ich unerbittlich. Gestern habe ich mich rühren lassen, habe ihretwegen verzichtet, heute soll sie wissen, dass ich auch meinen Willen habe. Das Kind kann sich schwer unterordnen und arbeitet dann mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dagegen.

Herrlich war es gestern! Sollte er wirklich alles nur tun, weil er mich „nett“ findet? Ich zwinge mich, es zu glauben, und zwinge mich auch, ruhig zu sein.

Den ganzen Morgen hatte es gegossen. Als wir uns umzogen, kam etwas Sonne. Unten hatte alles schon mit dem Kaffee auf uns gewartet. Als ich Frau Schmidt die roten Lichtnelken gab, dachte ich nur daran, dass sie immer so gut zu mir gewesen ist, und ob der Herr Sohn, der im Sessel hinter mir saß, mir etwas bedeutet, war mir egal.

Er hielt meine Hand lange, ohne besonderen Druck. Zwischen Vater und Sohn, gegenüber Lore, das Kind und Bine. Immer ist mir, als ob ich hier hingehöre. Lore erzählt von ihrem Schwiegervater: „Am besten in ganz Adelebsen hat ihm die Wichtel gefallen.“ Alles lacht. Auf irgendeine Bemerkung hin musste ich dem Herrn Kurt sagen: „Sehen Sie, fremde Menschen müssen Ihnen das nun oft sagen, er glaubt es mir nicht.“ Frau Schmidt tröstet.

Abends

Es kann nicht so weitergehen, es macht mich mürbe. Ich gehe von jetzt an nicht mehr mit dem Kinde zu Schmidts, fahre nicht mehr mit dem Kinde im Wagen von Schmidts, denn jedes Mal folgt dieses Gerede, und schließlich kündigt man mir nach, weil ich Bine die Freude nicht stören will. Also Schluss? Ich muss hart werden.

Und dabei sind Tränen in mir, und ich möchte ihm jetzt die Hand geben und bitten: Hilf mir doch, sei gut zu mir! Aber ich kann ja nicht hinunter, bin wie gefangen. Hier sind Gäste, niemand kommt herauf, also muss ich bleiben. Sonst wäre ich mit Lore ausgegangen, meine Jacke zu suchen. Aber schön war die Fahrt doch.

Zwar hat sie eine Glocke und ein Uhrglas gekostet, und in den Augen der Baronin bin ich wohl noch mehr gesunken, aber ich habe die Welt so hell und leuchtend gesehen, und meine Augen grüßten die Ferne.

Er war verliebt, ich sollte ihn ansehen, lachen und nicht immer träumen. Sechs Karten hatte er für den Zirkus gewonnen, die sechste für mich. Immer denkt er an mich, die Einsame. Und während seine Hand den Hund streichelnd herabglitt, berührte er mein Knie, und seine Augen suchten die meinen. „Wichtelchen, wollen wir nicht Heckenrosen pflücken?“

Als wir unter den Bäumen fuhren, wurde er übermütig, bog immer wieder Zweige zu mir herab, schließlich rutschte mein Hut herunter, und er brachte ihn auf seinem Stock balancierend zurück.

Könnte ich jetzt unten sein, nur ein Wort mit ihnen sprechen. Die Baronin ist eben bei Bine, wenn sie nur gnädig vorübergeht. Dass immer Menschen da sind, vor denen ich Angst habe. Wäre ich weit, weit weg von hier, und alles Leid hätte ein Ende.

Warum habe ich nicht meine Hand in seine gelegt, als er sie mir zweimal hinhielt, statt dessen gab ich sie dem Hund.

Warum hat er es so eingerichtet, dass Edam und ich auf Margas Hochzeit als Hofschauspieler fungieren sollen? Will er sich immer noch mit mir amüsieren?

Ich sehe uns gestern noch vor der Haustür stehen, alle drei Herren und ich. Alle schweigen. Dann schickt er die beiden weg, Wein holen, und ich soll mit ihm in den Garten. Die Wege waren nass, wir gingen links herum. Da kommt das Kind hinter uns her, und dann haben Bine und ich zusammen geschaukelt; er gab uns einen Schubs – wie herrlich wir flogen, unser Haar im Wind.

Leben und Lachen. Bine konnte es nicht lassen, mich wieder und wieder zu küssen, und er saß auf der Bank und sah zu. Ich musste wiederkommen, wie er bat – Tanz mit Bine.

Glücklich bin ich erst unten. Halb zwölf.

Wenn auch alle um meine Gunst werben, lieb habe ich doch nur ihn. Bei der Damenwahl, die er verkündet, als nur Lore und ich im Zimmer waren, fühlte ich, dass er wissen wollte, wen ich wähle. Da müsste ich zu ihm kommen. Wie er mich beobachtete, wenn ich mit Legau sprach.

Edam sah mich an, als ich die Steintreppe herunterkam, und meinte, ich sähe so rosig aus, wie eine verliebte Frau. Ausweichend antwortete ich, ob er das jetzt erst merke.

Legaus Blicke während wir tanzten, und wie er sein Gesicht über mich beugte. Ich lachte ihn aus, damit ich nicht rot wurde. Er brachte mich hinein. Da war er ernst und nett. Kurt stand in der Tür und sah uns nach. Zuletzt hatten wir „Guten Abend, gute Nacht“ gesungen.

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