
Sonnabend, den 12. Juni 1926
Immer, wenn ich unten gewesen bin, ist mir freier zumute. So, als ob ich erst einmal wieder meine Pflicht getan habe.
Kurt und Legau waren mit dem Auto fort, alle anderen da. Legau ganz Kavalier, aber der Geburtstag ist ja erst morgen. Schnell versteckten wir die Blumen.
Frau Schmidt: „Nun lassen Sie sich nur nicht durch uns stören. Ich kenne doch alles hier. Sie essen doch gleich.“ Da schaukelte ich erst einmal mit Bine. Wie gut, dass sie meine Hand so festhielt und mich so viel streichelte. Edams Augen und sein Händedruck waren fordernd.
Manchmal ist mir, als müsste ich ein Herz von Stein haben. Oder stehe ich wirklich über allem? Aber es ist doch nur erkämpfte Ruhe.
Heute kommt Stickcher. Die Baronin fährt nach Göttingen. Ich sollte nun heute oder morgen zu Fräulein Sprenger kommen. Da kann ich mich mehr ausruhen. Unten bei Schmidts ist immer Kampf. Mich wundert, dass ich das so lange ertrage.
Gar keine Briefe!


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