Heimat

1–2 Minuten
Seite 137 Teil 2

Dienstag, den 15. Juni 1926

Regenwetter, trübste Stimmung. Mir fehlte etwas, weil er nicht da war.

Ich ging zu Fräulein Sprenger. Auch sie war müde und abgespannt. Dann der Zug nach Hause. Da steht er unten auf dem Hof und gleich überkommt mich ein Glücksgefühl. Nun bin ich nicht mehr allein. Wenn ich will, kann ich ihm winken.

Bei Tisch sitzt neben mir Inges Schwager, Herr Willkopf. Er ist in Riethagen gewesen, wegen der Seidenraupenzucht. Daher kennt er Adolph. Er meint, ich sähe meinem Bruder ganz ähnlich. Er erzählt mir von Marie, meiner gut aussehenden, großen, schlanken Schwester.

Und wir plaudern, und mit einem Mal ist Sonne in mir. Wenn mich auch alles verlässt, die Heimat ist doch noch da.

Ich kann wieder singen.

Aber erst muss ich an Marie schreiben.

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