Was will er denn nun bloß?

2–3 Minuten

Donnerstag, den 24. Juni 1926

Heute Morgen erwachte ich mit einem dicken Auge. Zum Arzt. Erkältet.

Warum muss man mich immer quälen, verwunden, mir wehtun? Er weiß, dass ich auf Idel nichts kommen lasse, und immer wieder fängt er damit an. Um ein Bild von mir zu bekommen, hat er sich von Käthe instruieren lassen.

Schließlich habe ich ihm alles gesagt: dass man an mir immer nur etwas verbessern wollte, dass alles an mir schlechtgemacht worden sei. Ich wüsste ja alles. Das endlich wollte er nicht getan haben; nur das Fischnetz und den Vogelhut hätte er veräppelt. Und dass er schlecht über mich gesprochen hätte, das traute ich ihm doch wohl nicht zu. Idel müsste er einmal kennenlernen, das müsste er.

Erst hatte ich alles lächelnd angehört. Schließlich erstarb mir das Lachen. Da merkte er wohl, dass er mir wehgetan hatte, setzte sich auf meine Sessellehne und beugte sich beängstigend tief zu mir. Warum quält er mich so?

Sonnabend fahre ich mit nach Göttingen. Bergan, er und ich. Er muss zur Ablöhnung früh wieder hier sein. Ich sollte doch mit zurückfahren; er hätte sich schon so auf die Gesellschaft gefreut. Er legte den Ton auf das „die“, nicht auf „Gesellschaft“, sagte er. Ja, was will er denn nun bloß?

Das Mädchen brachte eine Tüte. Er bot mir an, ich zögerte, dachte im Moment an alles andere eher als an Bonbons. „Ja, ich trau ihm nicht.“ Das hätte ich vielleicht nicht sagen sollen. Er wiederholte es; es hat ihm doch wohl wehgetan. Das wollte ich nicht.

Ich sollte mitfahren in den Wald. Keine Zeit!

Der Vater rief ihn, die Mutter auch. Er stand erst spät auf. Konnte er sich von mir nicht trennen, die doch immer noch so verbesserungsbedürftig war?

Legau diktierte mir das Wagalied. „Was bekomme ich?“ – „Zwei Backse.“ Legau brachte den Jungen zu Bett, den Kurt erst mit Bonbons traktiert hatte. Da saß er auf meiner Sessellehne. Ich gab ihm seinen Lohn. Er sah mich so ernst an, und dann küsste er mich auf den Hals, dass mir Hören und Sehen verging.

Am Berge wollte er meine Hand nicht eher loslassen, bis ich „heißen Dank“ gesagt hatte. Das gab’s nicht!

Diese Abkühlung hinterher verstünde er immer nicht. „Das frischt die Liebe auf“, sagte ich leichthin.

KI generiert

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