Unter seinem Schutz

1–2 Minuten

Donnerstag, den 15. Juli 1926

Montagabend Radio. Er probiert dauernd, lässt sich alles zeigen. Wir sitzen alle und horchen, da setzt er mir den Hörer auf.

Nachher Tanz. Legau und Edam wollen mich herunterkriegen, es gelingt ihnen aber nicht ganz. Da kommt Kurt zu mir: „Wichtelchen, mein Goldkind, ärgern dich die beiden immer?“ Und tief beugt er sich zu mir: „Du stehst unter meinem Schutz. Sag, was du trinken möchtest, Mokka oder Wein.“

Und dann trinken wir Weißwein, er trinkt mir zu. Um halb 12 gehe ich. Er sitzt noch immer vor dem Apparat, drückt mir wieder das Ding übers Haar und legt dann seinen Arm um mich, will mich an sich ziehen, aber der Radiomensch ist ja dabei.

Lotte warnt mich vor Legau, den habe ich aber abblitzen lassen.

Abends. Glühende Sonnengluten gehen zur Ruh. Lotte und ihre Mutter gehen zum Friedhof. Sie hat mir das Kleid heute Nachmittag genäht. Sie brachte mich auf den Weg, da kommt er uns entgegen. Es war nur ein Quälen. Lotte sagt: „Hedy will wieder nicht runterkommen, will oben bleiben und nähen.“

„Ja, will und muss.“

Das wiederholt er und sagt: „Dann lass sie oben bleiben, die hässliche Krähe.“ Aber ich tat es doch nur, weil Lotte mir erzählt hat, dass sie nächste Woche über Dortmund nach Düsseldorf wollen. Was ist er nur für ein komischer Mensch? Weshalb das? Will er nun doch die Dortmunderin?

Lotte musste ich versprechen, morgen zu kommen. Bald hat die Qual ein Ende.

Die Baronin war böse, dass sie Kissen und Liegestuhl und alles hatte reinschleppen müssen. Bei Tisch wurde alles gemildert. Und sie hat ganz recht empfunden, dass die Tiere mir oft ein Trost gewesen sind, wenn man mich schlecht behandelt hat. Die Küchenkatze ist eine verzauberte Hexe.

Die kleinen roten Abendwolken winken.

Hand in Hand möchte ich mit ihm auf dem Lechtmar gehen, da möchte ich ihm mein Herz schenken. Und bald hat er Geburtstag. Vorher noch Dortmund.

Marie liebt ihn noch immer. Sie will mich gern besuchen, aber das geht vorher nicht mehr.

KI generiert

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