Nächstes Jahr am Meer

3–4 Minuten

Sonntag, den 11. Juli 1926

Lotte im Bett, Nachmittagsschlaf. Wie sie meine Freundin ist, wie lieb ich sie habe. Ich saß auf ihrem Bett und alles war wie früher. Dann kam ihre Mutter.

Sein Hund wäre tot, über den Zaun gesprungen, erhängt. Kurt in seinem Zimmer, spräche kein Wort. Ich muss ihn trösten, klang es in mir, obgleich er Schuld hat. Wie kann er es mitanhören, die ganzen Nächte dieses Heulen von dem Hunde, seinem Hunde, als ob er kein Herz hat?

Da zog eine Hochzeitsgesellschaft am Hause vorbei. Wir ins Esszimmer gestürmt, ans Fenster, und Lotte erzählt, dass die Braut schon Mutter ist. Da geht hinter uns die Tür auf. Lotte dreht sich um, ich nicht gleich. Ich fühlte ja, wer es ist. Er bleibt stehen, Lotte sieht mich an, da muss ich mich umdrehen. Wie traurig er mich ansieht! Und dann steht er mit uns am Fenster, legte seine Arme um uns: „14 Tage haben wir uns nicht gesehen, Wichtelchen.“

Lotte zeigt ihm die Braut und erzählt ihm, was sie mir aufsagte. Da sagt er langsam und schwer, wie vorwurfsvoll: „Vielleicht ist das richtig, dann erst bleibt ja die Frau bei einem.“

Als wir in sein Zimmer gehen, kommt er mit einem Mal auf mich zu. „Wichtelchen, mein Hund ist ja tot, was soll ich bloß anfangen?“

Am liebsten hätte ich beide Arme um seinen Hals gelegt und ihn getröstet. Seine neuen Platten muss er mir erst zeigen.

Beim Kaffee: Edam und Legau. Mein Weggehen finden sie schlecht. Die Stimmung schien mir doch traurig, obgleich ich für netten Ersatz sorgen wollte.

Edam wollte dann seinen Frack anprobieren; er sollte mir noch schnell vorher einen Antrag machen, sagt Kurt.

Als ich wegging, zwingt er mich durch sein „Nun, und?“, dass ich wiederkommen muss. Lotte war mit am Berge, Bine ruft sie hinauf. Ach, sie gehört zu mir, ich zu ihnen.

Das Kind geht zur Mutter und ich kann wieder hinunter.

Lotte und ich in den Himbeeren. Thema: Legau, Lachen, Scherz und Essen. Mit einem Mal steht er da im Gang. Wie er mich ansieht! „Das ist ja eine nette Unterhaltung, von wegen entschuldigen müssen.“  

Ich muss ihm eine Himbeere an den Anzug werfen, selbst wenn sie matschig ist. – Wir fahren alle aufs Feld, die Jugend. Die Gerste liegt. Kein Lachen geht über sein Gesicht. Den Schlossweg hinan, der Baron und Bine. Winken, Grüßen. Und ich bin wieder bei ihnen.

Zu Tische. Achim meint, ich hätte doch wohl sehr großen Einfluss da unten. Jeder fragt mich nach der Fahrt.

Der Abend unten war herrlich. Ich musste Lottes Seidenkleid anziehen. Wie das rauschte, wie alle guckten und mich belustigen wollten! Keiner blieb sitzen.

„Eine nette Figur hätte ich darin“, und seine Hand fuhr langsam über mein Kleid. Wie Zärtlichkeit war es. Ich musste es anbehalten, obgleich es mir viel zu lang war. Lottes Schal legt er mir um und ab ins Musikzimmer. Legau auf dem Sofa schmuste. Edam sang, Kurt spielte, Lotte machte den Mokka. Da kommt Kurt, rührt in seiner Tasse, bildet sich ein, er hat schon Kaffee. Wir sehen uns das staunend an, Edam lacht leise – der Chef ist zerstreut. Legau rückt zu mir und bietet dem Chef den anderen Sofaplatz an; der dankt, er setzte sich auf meine Lehne.

Ich habe ihn so lieb, so lieb. Wie er sich zu mir beugt und mich fragt, ob ich mit nach Uslar führe, und wie er mir von Marie und dem Leben dort erzählt.

„Ich bin noch nie am Meer gewesen.“

Und da kommt es, und mein Herzblut steigt in die Backen, wie er über mir flüstert: „Nächstes Jahr fahren wir an die See, Wichtelchen. Dieses Jahr muss ich erst sehen, dass ich die Ernte hereinbekomme, nicht wahr?“

Dicht sein Kopf neben meinem, und all die anderen sind da und wie sie uns ansehen! Aber ich muss doch „Ja“ sagen, und das war das Herrlichste an dem Abend. Ja, wir gehören zusammen, wir beiden. Mein Herz gehört ja längst schon dir.

KI generiert


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