Rote Rosen auf dem Grab

2–3 Minuten
Seite 149 Teil 2

Sonnabend, den 17. Juli 1926

5 Briefe fertig, auch an Hanna Dempewolf.

Sonnenbad. Traf des Barons Wagen und nun durch die Felder. Alles stand glänzend, wurde gelobt. Nur über die Rübenfelder zog man her. Am schlimmsten machte es die Baronin abends: Es wäre eine Schande, solche Felder! Ich ließ sie reden, und er predigte mir vor, dass es falsch wäre, die Leute so in zwei Abreibungen packen zu lassen.

Unterwegs alle getroffen. Edam wusste sich ans Haferfeld zu stellen, damit Wichtel und Bine die Grüße des Hofes sehen sollten. Legau zog mit seinem Gespann vorbei. Er war mir, wie es scheint, noch böse wegen gestern. Schließlich noch der Wagen mit dem Albin und dem jungen Schmidt, kurzer Gruß im Vorbeifahren. Achim, Bine, ihr Bruder und ich saßen hinten. Achim schielte dauernd herüber, ich lachte nur. Mariechen bei ihrem Papa. Am Grabe standen Vergissmeinnicht. Der Baron meinte, die sollte ich wohl noch pflücken, bis zum 1. September wäre sonst keine Zeit mehr. Ich sah ihn an, da fing er mich lachend mit der Peitsche ein.

Morgen fährt man zum Turnier, für mich ist kein Platz mehr. Herrlich! Da laufe ich zu ihnen.

Freitagabend, ich wollte Lotte zum Friedhof begleiten. Kurt war, wie es scheint, oben und holt mich herein. Edam und Legau alberten. Da geht Kurt auf meine Bitte hin, Lotte zu holen. Da bringt er mir rote Rosen mit, wie er sich über mich beugt… Aber es war so komisch mit mir: Ich ersticke die Freude im Herzen, weil sie sonst zu jubelnd gewesen wäre, und die albernen Jungen waren doch dabei. Nun war mir mit einem Mal so traumhaft zumute. Ich konnte gar nicht denken, dass er es doch war, der so gut zu mir war und dass er mich doch lieben müsste, dass er es doch war, der so wegging.

„Wir kommen ja wieder“, sagt Lotte, und dann ruft er mich noch mal, dass ich ihn ansehen muss: „Ich soll seiner Großmutter einen Gruß von ihm bringen.“  

Da habe ich ihr seine Rosen, die er mir schickte, aufs Grab gelegt, obgleich Lotte leise meinte: „Die behalte doch, die hast du doch geschenkt gekriegt.“

Arm in Arm sind wir durch den Friedhof gewandert. Sie war meine Schwester.

KI generiert

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