
Freitag, den 23. Juli 1926
Bine ist wieder erkältet. Man hält mich für schuldig. Der Baron sagte bei Tisch gestern, Bine wäre erhitzt ins Haus gekommen, und dabei hatte er mich mit Blicken angesehen. Na, lasst sie nur.
Und übermorgen kommen sie wieder. Hurra, Lotte und Kurt! Heute habe ich mit ihrer Mutter Erbsen ausgemacht. Wie gut sie zu mir war!
Ach, und Dienstagabend, da hat man mich wieder vorgeholt: wie ich in fünf Jahren wäre, Umfang 2,10 m, Mops etc., sodass Frau Schmidt, die mir erst immer beistand, schließlich zu Bett ging. Aber der Quäler hörte nicht auf. Schließlich setzt er sich zu mir und fragt, mich fest ansehend, was er mir wünschte. Ach, und alles kramen sie dann wieder hervor! Von seiner Sturm- und Drangzeit erzählt er und von dem Ekel davor. Lotte sagt: „Hört auf, sonst schläft Wichtel wieder nicht.“
Sagen kann ich nicht viel zu all dem, aber ihn ansehen kann ich auch nicht. Dann soll ich ihm sagen, was ich dächte. Meine roten Backen bewundert er, und davon müssen sie nur noch röter werden.
Gitarre gespielt. Wie gut er da mit einem Mal sein kann! Wie er mir hilft, die Saiten zu stimmen, so dicht sitzt er bei mir und lässt mich nicht aus den Augen.
Schließlich gehe ich heim. Er versteht nicht, dass das Küssen mir keinen Spaß macht. Ach, er versteht mich ja überhaupt nicht. Er ärgert mich ja nur. Aber da hält er mich fest. Ich soll ihm sagen, womit er mir weh getan hat. Ganz angstvoll, bittend, flehend sehen mich seine Augen an: „Du musst es mir sagen, du musst.“
Ich kann nicht. Wenn er mich nicht loslässt, weine ich. „Sagst du es mir morgen?“
„Ja, morgen.“
Und auf dem Flur kann er es schon wieder nicht lassen und schließlich kloppen wir uns. Der Boden ist glatt, da liegt er in seiner ganzen Länge. Er lacht, ich auf ihm, mit dem Schirm. Er auf und weg. Zu albern! Legau bringt mich sehr offiziell nach oben.
Mittwoch-Nachmittag. Lotte sollte mir das Geleit geben – wieder kommt er.
„Noch immer böse, wirklich?“ Und ich sollte mich nicht langweilen ohne sie. Sein Arm umfasst mich, wir kichern beide, Lotte sieht uns an. Da kommt seine Mutter auch noch. Und wie er mir Lebewohl sagt, umschlingt mich wieder sein Arm und sein Gesicht ist ganz nah an meinem, und sein Mund flüstert: „Leb wohl, mein Herzenskind.“
Schnell hinaus! Noch ein Winken an der Tür.
Und nun denke ich immer an dieses Wort und zähle die Tage, bis er wiederkommt.
Frau Reinhardt meinte heute Morgen, als ich Hund und Katze liebkoste: „Ach, Fräulein Oltrogge, wenn Sie mal Hochzeit haben, muss aus allen Ecken und Winkeln die Sonne scheinen!“


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