Autor: Helene Oltrogge
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Märchenträume im Fleckenswald
Sonntag, den 12. Juli 1925 Ich dachte, ich würde ihn heute bei den Missionsfest in der Allee sehen und sprechen können, aber nein, aber nein… Erst heute Morgen habe ich mit Mädi und Bine einen herrlichen Spaziergang in den Fleckenswald gemacht. Helfe, Räuber, Riese und Indianer haben wir gespielt. In der Heide zwischen grünen leuchtenden…
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Wie Kriemhild am Fenster
Freitag, den 10. Juli 1925 Es ist komisch, aber wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich ihn. Heute Morgen um halb acht ritt er gerade unten an der Burgmauer hin. Ich kam mir vor wie Kriemhild. Um vier ritt er wieder über den Gutshof und drehte sich einmal um. Ich weiß nicht, ob er…
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Die Reise ins Märchenland
Dienstag, den 7. Juli 1925 Zurück aus Hannover. Am Sonnabend fuhr ich mittags weg. Bine und ich kamen etwas nach neun die Treppe herunter, unten warteten Tante Ilse und Herr Schmidt auf den Tee, den die Tante aus Furcht vor ihrer Nichte Mädi nicht zu machen wagte. Ich übernahm es also. Bald stellte sich auch…
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Tanz, Lachen und Mondlicht
Donnerstag, den 2. Juli 1925 – Adelebsen Das war Göttingen, das war „Mariaspring“! Bei herrlichem Sonnenwetter standen wir auf, da konnte ich nur mein gutes weißes Kleid anziehen. „Wenn Fräulein Kahle dich so sähe, würde sie sagen: wie vornehm“, sagte Bine. Dann ging’s Arm in Arm die gewundene Treppe hinunter zum Frühstück. „Schon im Tanzkleid“,…
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Unterwegs ins Morgen
Dienstag, den 30. Juni 1925 Der meiste Besuch ist wieder abgereist. Also: Ich fahre morgen nach Göttingen und nach „Mariaspring“. Heute Morgen um acht lief ich mit der Katze ins untere Lustfeld – natürlich musste ausgerechnet Herr Schmidt mich sehen. Er wollte gern die Katze auf unserem Zimmer mal besuchen und machte deshalb Bine verschiedentlich…
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Die Unsterblichkeit der Maikäfer
Montag, den 29. Juni 1925 Am Himmel der leuchtende Halbmond. Eigentlich wollte ich allein einen Abendgang machen, aber nun ist so viel Besuch da und ich habe keinen Hausschlüssel. Nun liegt eine süße, kleine Katze in meinem Schoß – solch ein hilfloses kleines Wesen mit großen blauen Augen und rosa Pfötchen. Es ist ein wunderbar…
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Bine will ihn heiraten
Sonntag, den 28. Juni 1925 Solch vergnügten Nachmittag habe ich lange nicht gehabt. Heute Morgen haben Bine und ich Heidelbeeren gepflückt. Die Baronin und die Gräfin waren zur Kirche gegangen. Als wir wiederkamen, kam aus dem Garten Herr Schmidt herunter. Dann, nach Tisch, war ich unten im Lustfeld und dachte über Hilde Ballerstadts Karte nach.…
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Ein Sonnabend ohne Ziel
Sonnabend, den 27. Juni 1925 Und ich bin gar nicht froh, obgleich die Sonne scheint, denn aus der Fahrt nach Göttingen wird scheinbar nichts. Entweder gehe ich nachher zu Pastors oder mache allein einen weiten Spaziergang. Der junge Pastor Hölscher schreibt mir, dass ihr Haus derartig unwirklich sei, dass es nicht ginge. Außerdem seien die…
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Ein Abend mit Herr Schmidt
Freitag, den 26. Juni 1925 – Adelebsen Gestern Abend unternahmen Fräulein Sprenger und ich einen weiten Spaziergang. Über den dunklen, bewaldeten Bergen stand die schmale Mondsichel. Jedes Mal, wenn wir in eine Talstraße einbogen, fasste uns ein kalter Nachtwind. Die hohen Ähren wiegten sich leise hin und her, und irgendwo war ein merkwürdiges Zirpen zu…

