Autor: Helene Oltrogge
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Nicht allein
Mittwoch, den 4. November 1925 Der Sturm heult noch immer, aber der Himmel ist blau, und die Sonne lacht. Ich hab ihn wiedergesehen! Bine und ich waren um halb zwölf unten. Lotte in ihrer hochgestellten weißen Bluse mit dem blauen Bande führte uns ins Herrenzimmer. Vater und Sohn sind da. Er sitz am Schreibtisch und…
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Aus Stein gehauen
Dienstag, den 3. November 1925 Es regnet. Gut, dass ich nicht mitgefahren bin. Der Baron hatte mich noch nach Göttingen eingeladen. Bine quälte mich, ich sollte mit ihr hinuntergehen zu Schmidts. Nun tu ich das. Ich sah ihn eben in seiner Lederjacke auf dem Hof stehen. So, als wäre er aus Stein gehauen. Ganz wie…
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Ein merkwürdiger Händedruck
Montag, den 2. November 1925 Oh, wenn er mich doch liebte! Keinen anderen, nur ihn. Alle anderen könnten mir so egal sein! Ich glaube, jetzt erst weiß ich, wie sehr ich ihn liebe. Ob es niemand merkt? Ob Lotte, ob seine Mutter, ob er selbst es ahnt? Mir ist so seltsam zumute. Eben sagte mir…
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Wie frisch aus der Heide
Sonntag, den 31. Oktober 1925 Es ist zehn Uhr. Draußen liegt dichter, dicker Nebel. Als Lotte Bine und mich nach oben brachte, sah der Mond aus wie ein roter Lampion über der Mauer. Morgens waren Bine und ich unten. Ein Auto fuhr uns noch vors Tor. Wir riefen hinaus: „Hallo! Hallo!“ Aber Lotte war nicht…
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Er ist wieder da
Freitag, den 30. Oktober 1925 Meine Augen tun mir weh vom Weinen. Und doch ist die Herbstwelt so wunder-, wunderschön. Als ich den Berg hinaufstieg, Lotte wollte mich erst hinaufbringen, da sah ich den Nebel über das grüne, grüne Tal ziehen. Über mir der helle Sternenhimmel, und über dem Gut stieg der gelbe Mond auf.…
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Gebundene Hände
Mittwoch, den 28. Oktober 1925 Und da soll man nicht verzweifeln? Trotz der vielen belastenden Briefe von Idel? Adolph hat kein Geld, sie hat kein Geld, und Hermann auch nicht… Eine Karte von Hermann kam heute. Ich will ihm schreiben. Wenn ich doch reich wäre! Wie oft wünsche ich mir, dass ich den Meinen aus…
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Wen magst du lieber?
Dienstag, den 27. Oktober 1925 Bine fragte mich heute Abend wieder, wie schon so oft: „Wen magst du nun eigentlich lieber, Herrn Schmidt oder Herrn Edam?“ Ich strafte sie mit der Antwort: „Gar keinen.“ Aber dieses kleine Weib gab keine Ruhe, bis sie die Wahrheit wusste. „Ja“, meinte sie schließlich, „beide sind ja sehr nett,…
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Die Königin der Nacht
Montag, den 26. Oktober 1925 Es ist 3 Uhr. Um 4 Uhr wollen Bine und ich mit Lotte spazieren gehen. Ich habe an Idel geschrieben. Der Himmel ist blau, aber es ist ein kalter Herbsttag. Heute hat Bine gegen mein Gebot Munte gerufen. Nun hat er einen Radfahrer ins Bein gebissen! Der Kerl hatte Augen…
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Der Kampf geht weiter
Sonntag, den 25. Oktober 1925 Der Kampf geht weiter. Wenn es doch endlich vorbei wäre! Trotzdem hoffe ich, dass man mir äußerlich nichts mehr anmerkt. Bine und ich waren heute Nachmittag wieder unten. Lotte war mittags aus Peine zurückgekommen. Herr Edam empfing uns. Die Alten und alle waren da und so nett. Ich erzählte meine…
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Ein Abend am Kröpcke
Dienstag, den 20. Oktober 1925 Ruhe. Alle Arbeit ist getan. In zehn Minuten muss Lotte aus dem Kurier kommen. Alles stimmt. Nur Geld habe ich keins mehr. Meine Hüte sind fertig. Heute Abend bekomme ich mein Kleid. Rudchen kommt noch, und Marie Reichert holt mich zum Obstvertrag ab. Am Sonntag war ich mit Idel im…
