Autor: Helene Oltrogge

  • Nachklang eines Abschieds

    Nachklang eines Abschieds

    Sonntag, den 11. Oktober 1925 Hannover! Idel sitzt im Sessel, Thyra ist auf dem Sofa, und die Kinder sind im Bett. Alles schläft. Es ist gerade drei Uhr. Was mag man wohl jetzt in Adelebsen denken und tun? Vorgestern habe ich an Lotte geschrieben. Ich bin gespannt, ob sie kommen. Meine Zeit ist schon wieder…

  • Gestern war Geburtstag!

    Gestern war Geburtstag!

    Montag, 5. Oktober 1925 Gestern kam ich nicht zum Schreiben – so schön war mein Geburtstag, trotz allem Trubel. Ich kann nicht alles erzählen. Am Sonnabend nach Tisch waren Hilde Ballerstadt und Lotte Schmidt bei mir. Wir machten einen Mondscheinspaziergang, Arm in Arm. Ich fühlte mich so glücklich und so froh, zwei so liebe Menschen…

  • Wir duzen uns jetzt

    Wir duzen uns jetzt

    Freitag, den 2. Oktober 1925 Gestern Abend glänzte der Vollmond, während Nebel über Berg und Tal lagen. Lotte begleitete mich den Berg hinauf bis ans Tor. Sie bat mich, sie nicht so oft allein zu lassen und immer wieder zu kommen. Das weiße Schloss, die hohe Mauer, die dunklen Bäume, unser Geflüster und Händedruck. Wir…

  • Durch Leid zur Freude

    Durch Leid zur Freude

    Donnerstag, den 1. Oktober 1925 – Lottes Kurts Geburtstag Herr Haarstrich aus Hannover-Emmerberg hatte für heute glänzendes Wetter prophezeit, woraufhin der Baron ihn zurückgehalten hatte. Tatsächlich war es zwar bewölkt, aber angenehm warm. Nach der Schule ging ich wieder hinunter. Lotte, im blauen Hauskleid mit weißer Schürze, hatte viel zu tun (sie hatten Ahsen geschlachtet).…

  • Vertrauen gegen Vertrauen

    Vertrauen gegen Vertrauen

    Mittwoch, den 30. September 1925 Ich habe bereits heute mein Geld bekommen und die Nachricht, dass Hilde Ballerstadt mich besuchen kann. Nach der Schule fuhr ich mit der Baronin hinunter aufs Gut. „Juhu!“, rief Lotte aus dem Fenster und winkte uns zu. Die Sonne lachte, der rote Wein am Haus leuchtete, und Herr Edam rief…

  • Herbst ohne Schwermut

    Herbst ohne Schwermut

    Dienstag, den 29. September 1925 Nachmittags, 15:30 Uhr Ein sonniger Herbsttag. Nach der Schule machte ich mit Bine einen Spaziergang. Die Luft war klar, die Bäume bunt, die Sonne warm. Mit Munter gingen wir den Weg durch die Gärten hinauf zum Kirchhof. Überall arbeiteten die Leute auf den Kartoffelfeldern. Wie oft bin ich hier schon…

  • Ein Traum von Liebe

    Ein Traum von Liebe

    Montag, den 28. September 1925 Ich habe eben schon an Hilde geschrieben, dass sie am Sonnabend und Sonntag herkommen soll. Hoffentlich kann sie, denn so eine Tat muss einen auf andere Gedanken bringen. Heute bin ich viel versöhnter mit der Welt. Ich hatte einen wunderbaren Traum: Wir saßen nebeneinander, zuerst hatte ich ihm mit einem…

  • Zwischen zwei Welten

    Zwischen zwei Welten

    Sonntagmorgen, den 27. September 1925 Der Baron ist gestern bis 4:10 Uhr beim Erntefest geblieben. Er sagte immer:„Fräulein Oltrogge, warum sind Sie nicht wiedergekommen?“ Und zu Mädi sagte er: „Ihr habt etwas versäumt, es war glänzend. Ein sehr gelungenes Fest.“ Nun regnet und stürmt es wieder. Die Baronin und Mädi wollen zur Kirche, heute ist…

  • Ein Viertel Tanz

    Ein Viertel Tanz

    Sonnabend, den 26. September 1925 Nachmittag, 16:50 Uhr Um fünf beginnt das Erntefest. Bine und ich sollen vorher noch zum Kaffee kommen und dann gemeinsam mit den Schmidts hingehen. Das Pensionat und eine Freundin aus Peine sollten auf Kurts Wunsch eingeladen werden. Hoffentlich sind sie da! Heute Morgen wünschte ich, nicht hinzugehen. Jetzt denke ich:…

  • Romeo und Julia

    Romeo und Julia

    Donnerstagabend, den 24. September 1925 Gestern waren wir im Theater. Vorgestern, am Dienstagmittag, holte ich Lotte zu einem Sonnenspaziergang ab. Ein sonniger Weg zwischen hohen grünen Tannen, roten Fliegenpilzen am Boden und darüber der azurblaue Himmel. Sonne, Licht, Wärme, heitere Gespräche, Jauchzen und Singen. Ein Spätsommertag, an dem meine Sehnsucht gestillt war. Durch so viel…