Autor: Helene Oltrogge

  • Kurt und Edam

    Kurt und Edam

    Montag, den 15. Februar 1926 Eine wunderbare Ruhe und Freude ist in mir. Freude, dass gestern ein so schöner Sonntag war. Und dass er am Sonnabend oder Freitag mit mir nach Hannover fährt.Lottes Bild steht neben mir. Gestern schenkte sie es mir. Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Mit Bine gab es wieder den…

  • Liebe ohne Antwort

    Liebe ohne Antwort

    Sonnabend, den 13. Februar 1926 Das Kind quälte mich. Deswegen bin ich nicht mit nach Göttingen gefahren. Wir haben einen weiten Gang gemacht, durch das grüne Tal, zurück über den Lechtmar. So traurig war ich. Wie das Kind mich verstand: „Mir ist immer, als ob da hinter den blauen Bergen das Glück liegen muss, dann…

  • Steinerne Ruhe

    Steinerne Ruhe

    Freitag, den 12. Februar 1926 Der Kaffeetisch ist festlich gedeckt. Lotte kommt! Bine strahlt. Bei Tisch Gespräch: Familie Pinghut empfängt Besuch. Nach der Schule liefen Bine und ich hinunter. Herr Freudental sprang mit seinem Auto beinahe auf uns zu. Entschuldigte sich dann vielmals und fragte mich an der Tür, ob Herr Schmidt wohl zu Hause…

  • Geheime Liebe

    Geheime Liebe

    Mittwoch, den 10. Februar 1926 Fräulein Sprenger bleibt jetzt gern in Adelebsen, weil sie mich hier hat. Lotte kommt heute Abend. Draußen liegt Schnee. Bine und Lotte haben mich unten im Garten gewaschen. Warum? Weil ich ihnen ausgebüxt war. Bine hatte Zettermordio geschrien und mich glücklich mit hinein geholt. Dann hatte sie den Kopf ins…

  • Ohnmächtige Wut

    Ohnmächtige Wut

    Dienstag, den 9. Februar 1926 Da lese ich im Tag den Artikel über die Auszehrung Deutschlands und mich erfasst eine ohnmächtige Wut. Deutsches Glück und deutsches Leben werden sie zerstören. Ist es möglich? Können sie das verantworten? Und das wollen Christen sein? Fünf Briefe hatte ich heute. Idel ist in Sorge um Adolph. Wenn er…

  • Angst vor Liebe

    Angst vor Liebe

    Sonntag, den 7. Februar 1926 Scharfer Ostwind, als ich zur Bahn ging. Göttingen: Studenten mit bunten Mützen sammelten an den Straßenecken Spenden. Ich habe Siga nach dem Stadtpark gefragt: er schielte mich lachend mit seinen Augen an.   Viele Menschen, man spürte den Geist der Universitätsstadt. Neben mir ein Student mit blauer Mütze, der mich…

  • Ungewissheit

    Ungewissheit

    Sonnabend, den 6. Februar 1926 Morgen fahre ich nach Göttingen zum Vortrag von Dr. Eckener. Bine ist bis sechs bei mir, deshalb gehe ich nicht mehr nach unten. Um drei bis vier Spaziergang mit Bine, roter Weg. Teuteberg getroffen. Freche Amseln pfiffen. Es ist halbtot hier. Aus dem Fenster habe ich immer nur Edam und…

  • Unausgesprochenes

    Unausgesprochenes

    Freitag, den 5. Februar 1926 Heute Morgen war es wirklich ein warmer Frühlingsmorgen. Als wir zum Friedhof hinaufgingen, nahmen wir die ersten Kätzchen mit. Zu Tisch Besuch: die junge Gräfin Westpfahl, der Graf. Im Zimmer der Baronin. Ich sehe Bine und mich am Fenster stehen, wir reden über Schmidts. Ich spreche meine Verwunderung darüber aus,…

  • Heimatlos

    Heimatlos

    Donnerstag, den 4. Februar 1926 Beerdigung. Glockenläuten. Schwarze Menschen, den Kirchhof hinan. Vorn der Sarg, dahinter die Familie. Direkt vor mir er mit seinen beiden Schwestern, Edam neben mir, dann all die anderen fremden Männer. Auf dem langen Weg durch den Flecken sah ich niemanden, nichts. Ich dachte nur an den Sarg, wie er im…

  • Das offene Grab

    Das offene Grab

    Mittwoch, den 3. Februar 1926 Bine und ich gingen den altbekannten Weg zum Kirchhof hinauf. Das Grab war schon ausgehoben, nicht weit davon eine Fläche brauner Heide. Der Kirchhof liegt schön hoch. Hier muss es sich gut ruhen lassen. Morgen werde ich dort mit den Menschen stehen, die mir auf der weiten Welt am liebsten…