Autor: Helene Oltrogge

  • Drei Briefe

    Drei Briefe

    Freitag, den 4. Juni 1926 Drei Briefe. Annemarie, den der Baron aus Versehen geöffnet hatte,Idel und Lotte. Idel schreibt: Käthe trifft sich mit Kurt. Ganz aufgeregt sei sie. Er habe ihr einen Brief durch die Bahn geschickt, sie wollten den Abend zusammen verbringen. Ich glaube, er ist die ganze Nacht in Hannover geblieben. Denn heute…

  • Im Klee vergessen

    Im Klee vergessen

    Donnerstag, den 3. Juni 1926 Nach der Turnstunde ging ich in den Berggarten, zog Radieschen. Bine kam mit zwei Briefen: Einladungen zum Burgfest. Dann Apotheke, zu Schmidts den Steig hinunter im Sonnenschein, mit fliegendem Haar. Kurt war da. Er wollte sofort nach Hannover. Fragte noch dies und das, hastig, zerstreut. Ich saß auf der Sessellehne,…

  • Zwischen zwei Blicken

    Zwischen zwei Blicken

    Mittwoch, den 2. Juni 1926 Bine und die Baronin sind nach Göttingen gefahren. Ich wollte ihn sprechen und fragen, ob er nicht nach Uslar führe. Gleich nach Tisch ging ich hinunter. Er war auf dem Feld, kam gerade mit seiner Mutter zurück. Ich solle am Nachmittag wiederkommen. Als Bine fort war, zog ich mein blaues…

  • Lieder der Dämmerung

    Lieder der Dämmerung

    Dienstag, den 1. Juni 1926 Das Kind liegt im Bett. Ich stehe am Fenster und sehe in den abendlichen Frieden hinaus. Leise zieht ein Lied durch meine Gedanken: „Drüben am Ockerau, haben zwei Raben… werd’ ich der Erste sein, den sie begraben?“ „Wichtel, du willst doch noch nicht sterben? Wer bliebe dann bei mir? Dann…

  • Hinter den Tannen

    Hinter den Tannen

    Montag, den 31. Mai 1926 Die Sonne geht zur Ruh, doch noch einmal übergießt sie ihre Wolkenkinder mit den schönsten Farben. Könnte ich doch mit ihr wandern. Käthe ist heute Morgen abgereist. Sie hat ein Stück Heimat mitgenommen. Bine und ich sind allein nach Hause gegangen. Gestern: Hannover Münden. Ich saß vorn neben ihm, und…

  • Wie früher…

    Wie früher…

    Samstagmorgen, den 29. Mai 1926 Gestern Abend unten gewesen. Um 5:10 kam der Baron zurück, bei Tisch war er schlecht gelaunt. Herr Quast, „meine letzte Hoffnung“ und dergleichen. Käthe und ich liefen lachend über den Hof, da ein Pfeifen. Er. Auf den ich den ganzen Tag geschimpft hatte. Aber ich lasse mir doch nichts pfeifen.…

  • Rückkehr im Sonnenschein

    Rückkehr im Sonnenschein

    Freitag, den 28. Mai 1926 – Adelebsen Vorgestern angekommen. Käthe, Waldi, Bine und Taulin holten mich mit dem Wagen von der Bahn ab. Sonnenschein, lachend blauer Himmel, grüne Wiesen. Also wieder da. Am Abend bei der Baronin und Inge. Alle sind freundlich. Käthe wird sehr geschätzt. Und Bine? Sie liebt mich noch. Am 27. Mai…

  • Wieder im Leben

    Wieder im Leben

    Dienstag, den 18. Mai 1926 „Deine Mutter ist die Sonne. Ich weiß, sie hat dich lieb!“ Ist es möglich? Kein Traum? Ach, ich lebe, bin gesund! Gesund an Leib und Seele. Krankenhaus, Leid, Schmerzen und Elend liegen hinter mir. Ich habe sie in ihren tiefsten Tiefen erlebt und nun ist alles vergangen. Golden geht die…

  • Abschiede im Frühling

    Abschiede im Frühling

    Donnerstag, den 15. April 1926 Wenn es länger als vierzehn Tage mit mir dauert, soll ich Käthe als Vertretung schicken. Danach vier oder fünf Wochen nach Imshausen. Dann wäre ich also wieder fort von ihnen. Ich verstehe das alles nicht. Wenn nur die Kasse endlich schriebe, damit ich ins Krankenhaus könnte. Und dabei ist ein…

  • Ein Tag, der alles wendet

    Ein Tag, der alles wendet

    Dienstag, den 13. April 1926 Den 12. April werde ich nicht vergessen. Es gibt Tage, da drängen sich die Ereignisse: silberne Hochzeit, Arzt, Krankenhaus, Adolph, Thyra, Marie und schließlich Dr. Brunes Rat: das Lindener Spezialkrankenhaus. Was sollte ich tun? Eine Stunde ging ich vor dem Bahnhof auf und ab und überlegte: Sollte ich eine Vertretung…