Autor: Helene Oltrogge

  • Schlimm ist…

    Schlimm ist…

    Dienstag, den 23. März 1926 Schlimm ist nur, dass ich stundenlang sein Bild ansehen kann und dabei träume.Schlimm ist, dass ich es nicht fertigbringe, an die Schule zu schreiben. Ich möchte von ihm träumen.

  • Fremd im Glück

    Fremd im Glück

    Montag, den 22. März 1926 „Lass dich nicht verblüffen“, stand gestern auf dem Kalenderzettel. Das hat mich wieder zum Lachen gebracht. Sonst war ich so unbefriedigt. Wenn ich doch wüsste, ob er mich liebt oder ob er die Frauen nur zum Spiel braucht.Ein Trost ist immerhin: Er versteht es nicht, mit mir zu spielen. Zu…

  • Steinerne Ruhe

    Steinerne Ruhe

    Sonntagmittag, den 21. März 1926 Wir kommen ins Esszimmer, da sagt Taulin: „Fräulein Oltrogge, das Telefon. Fräulein Schmidt wartet.“ Und nun soll ich um drei Uhr unten sein. Wir wollen in den Wald fahren. Eine seltsame, steinerne Ruhe ist über mich gekommen. Dabei ist der Himmel blau, die Sonne lacht, die Drossel singt. Das Kind…

  • Ein Wink vom Fenster

    Ein Wink vom Fenster

    Sonnabend, den 20. März 1926 „Bine, komm, jetzt Sprachlehre!“ Da – die Soldaten kommen. Bine läuft hinunter, ich bleibe oben am Fenster. Mit klingendem Spiel ziehen sie vorbei – vorbei. Zwei Damen in bunten Jacken gehen bei Sch. ins Haus. Am Morgen schon ein Walzer. Da kommt Kunte hinterher, bleibt bei den Pferden stehen und…

  • Frühlingslieder im Kopf

    Frühlingslieder im Kopf

    Donnerstag, den 18. März 1926, nachmittags Ich bin eben bei Fräulein Sprenger gewesen. Heute Abend ist Italienisch, danach noch zum Arzt. Und weil ich schon in der Nähe war, bin ich auch bei Pastors vorbeigegangen. Nun kommt Gitta morgen Abend zu mir. Es wäre doch merkwürdig, wenn ich die Menschen, die ich haben möchte, nicht…

  • Die Sonne lachte

    Die Sonne lachte

    Dienstag, den 16. März 1926 Das Paket an Idel ist fort. Morgen muss ich an Rudchen schreiben. Hilde Ballerstadt begleitet mich wegen meiner Wertpapiere nach Göttingen. Fahre ich mit der Bahn oder mit dem Auto? Spaziergang mit Lotte. Irenchen liegt zu Bett, hat Geschwüre. Bruder Kurt schneidet sie auf. Die Dortmunder können vielleicht nicht kommen,…

  • Ein merkwürdiger Tag

    Ein merkwürdiger Tag

    Montag, den 15. März 1926 Idels Geburtstag. Ihr Schal ist heute fertig geworden. Was für ein merkwürdiger Tag! Sonntagabend war ich unten, aber es war langweilig. Nicht so wie sonst. Vielleicht war ich nur müde. Vielleicht hatte er recht, als er mich immer wieder fragte. „Jammern lässt schön grüßen“, flüsterte er mir ins Ohr. Doch…

  • Immer nur Theater

    Immer nur Theater

    Sonnabend, den 13. März 1926 Und es wurde so wunderbar, so selten schön, dass ich gar nicht weiß, wie ich anfangen und wie ich aufhören soll zu erzählen. Lotte ging um halb sieben fort. Bine wollte ihre Frisur mit dem geraden Scheitel nicht anerkennen. Aber geherzt und geküsst hat sie ihre „Patsche“ doch. Dann saßen…

  • Vorfreude

    Vorfreude

    Freitag, 12. März 1926 Bine hält Mittagsschlaf. Um Viertel vor vier kommt Lotte. Nach der Schule rief ich an: „Bitte.“ „Ich möchte Lotte Schmidt gern sprechen.“ „Sind Sie’s, Wichtel?“ „Ja.“ Ich wusste gleich, dass er es war. Ich sollte abends kommen. Edam habe ein feines Kostüm, und wir wollten üben. Ach, wie herrlich war alles!…

  • Verloren im Spiel

    Verloren im Spiel

    Donnerstag, den 11. März 1926 Es ist Viertel nach 9. Bine hat ihren Willen bekommen: ich bin nicht unten. Edam hat mich vergebens „hypnotisiert“. Der Chef schmust sicher mit Cousinchen Irene herum, und Lotte denkt an ihren Kurt. Ich muss doch einmal ohne sie fertig werden können, auch wenn mich mein ganzes Herz dorthin zieht.…