Autor: Helene Oltrogge

  • Das Ungesagte

    Das Ungesagte

    Dienstag, den 8. Juni 1926 Fräulein Sprenger hatte Geburtstag. Ich brachte ihr einen richtigen Feldblumenstrauß. Und mein Vertrauen. Ich habe ihr alles erzählt. Bis auf das Eine. Ein Paket und Briefe von Idel kamen an. Sie scheint noch immer zu glauben, dass er mich liebt. Und ich frage mich nur: Soll ich fortgehen? Oder bleiben?

  • Sehnsucht hat blinde Augen

    Sehnsucht hat blinde Augen

    Montag, den 7. Juni 1926 In mir sollte alles tot und leer sein. Ich weiß nicht, warum ich nicht mehr weinen kann. Käthes Brief hat mich kaum noch verwundert. Lange stand ich am Fenster, sah hinunter auf das Gut, weiter hinaus zu den Bergen. Und wieder kam die Sehnsucht über mich. Da fiel mir das…

  • Es klappt eben nie

    Es klappt eben nie

    Sonntag, den 6. Juni 1926 – abends Seine Blicke, sein Händedruck. Ich habe alles aufgenommen und dabei immer nur gedacht: Also willst du dich doch nur mit mir amüsieren. Eines fehle mir, habe er mit Käthe besprochen: das Verliebtsein. Ich müsse einmal „ganz toll verliebt“ sein. Wenn er wüsste! Ich fühle noch seine Arme um…

  • Ein Traum zerbricht

    Ein Traum zerbricht

    Sonnabend, den 5. Juni 1926 Menschen. Lachen. Reden. Essen, Trinken. Hin und her durch das Lustfeld. Burgenfahrt. Professor Ebhardt aus Berlin. Barle. Platten mit belegten Broten. Und Regen. Er war auch da: „Guten Tag, Wichtel.“ Er hielt meine Hand. Viel zu lange. Fräulein Mahrnholz wandte sich ab: „Nun lassen Sie sich doch mal erzählen.“ Und…

  • Drei Briefe

    Drei Briefe

    Freitag, den 4. Juni 1926 Drei Briefe. Annemarie, den der Baron aus Versehen geöffnet hatte,Idel und Lotte. Idel schreibt: Käthe trifft sich mit Kurt. Ganz aufgeregt sei sie. Er habe ihr einen Brief durch die Bahn geschickt, sie wollten den Abend zusammen verbringen. Ich glaube, er ist die ganze Nacht in Hannover geblieben. Denn heute…

  • Im Klee vergessen

    Im Klee vergessen

    Donnerstag, den 3. Juni 1926 Nach der Turnstunde ging ich in den Berggarten, zog Radieschen. Bine kam mit zwei Briefen: Einladungen zum Burgfest. Dann Apotheke, zu Schmidts den Steig hinunter im Sonnenschein, mit fliegendem Haar. Kurt war da. Er wollte sofort nach Hannover. Fragte noch dies und das, hastig, zerstreut. Ich saß auf der Sessellehne,…

  • Zwischen zwei Blicken

    Zwischen zwei Blicken

    Mittwoch, den 2. Juni 1926 Bine und die Baronin sind nach Göttingen gefahren. Ich wollte ihn sprechen und fragen, ob er nicht nach Uslar führe. Gleich nach Tisch ging ich hinunter. Er war auf dem Feld, kam gerade mit seiner Mutter zurück. Ich solle am Nachmittag wiederkommen. Als Bine fort war, zog ich mein blaues…

  • Lieder der Dämmerung

    Lieder der Dämmerung

    Dienstag, den 1. Juni 1926 Das Kind liegt im Bett. Ich stehe am Fenster und sehe in den abendlichen Frieden hinaus. Leise zieht ein Lied durch meine Gedanken: „Drüben am Ockerau, haben zwei Raben… werd’ ich der Erste sein, den sie begraben?“ „Wichtel, du willst doch noch nicht sterben? Wer bliebe dann bei mir? Dann…

  • Hinter den Tannen

    Hinter den Tannen

    Montag, den 31. Mai 1926 Die Sonne geht zur Ruh, doch noch einmal übergießt sie ihre Wolkenkinder mit den schönsten Farben. Könnte ich doch mit ihr wandern. Käthe ist heute Morgen abgereist. Sie hat ein Stück Heimat mitgenommen. Bine und ich sind allein nach Hause gegangen. Gestern: Hannover Münden. Ich saß vorn neben ihm, und…

  • Wie früher…

    Wie früher…

    Samstagmorgen, den 29. Mai 1926 Gestern Abend unten gewesen. Um 5:10 kam der Baron zurück, bei Tisch war er schlecht gelaunt. Herr Quast, „meine letzte Hoffnung“ und dergleichen. Käthe und ich liefen lachend über den Hof, da ein Pfeifen. Er. Auf den ich den ganzen Tag geschimpft hatte. Aber ich lasse mir doch nichts pfeifen.…