Autor: Helene Oltrogge
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Ein Abend bei Schmidts
Dienstag, den 9. März 1925 In Gedanken habe ich von allen schon Abschied genommen. Deshalb musste ich mir noch einmal alles ansehen: das Haus, den Hof, die Scheunen und dort hinten die Gräfenburg, so nah von der Stiege aus. Fräulein Sprenger hatte mir bei meiner Bewerbung geholfen. Aber mein Herz weinte dabei und war so…
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Eine unaussprechbare Hoffnung
Montag, den 8. März 1926 Der Duft des Frühlings dringt zu mir herein, irrend klingt er durch die Allee. Wie weich und warm drang die Luft mir entgegen, als ich am offenen Fenster stand. Nun bin ich allein, ganz allein. Nun kann ich wieder so sein, wie ich wirklich bin. Meine Augen tun mir weh…
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Wange an Wange
Sonntag, 7. März 1926, morgens Als ich gestern früh erwachte, hatte ich den herrlichsten Traum: Ich saß auf seinen Knien, und seine liebe Gestalt umfing mich ganz. Sanft und doch fest presste er mich an sich. Ich fühlte mein Blut durch den ganzen Körper strömen. Zitternd war meine Wange an die seine gedrückt. So beschützt,…
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Meine Augen, ihr Mund
Freitag, den 5. März 1926 Bine meinte, ich solle nicht immer hinuntergehen. Aber ich musste Lotte doch den Schlüssel bringen. Sie wusch sich gerade die Haare, also leistete ich den Alten Gesellschaft. Kurt war in Günthersen. Ich konnte nicht anders, ich musste wieder von Haas anfangen, der nach Aussage der Baronin schon vielen Leuten „den…
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An 100 Fäden gebunden
Donnerstag, den 4. März 1926 – Adelebsen Mir ist alles rätselhaft. Fast möchte man den Kampf aufgeben. Gestern bin ich aus Hannover zurückgekehrt. Auch Idel freute sich sehr. Butterkuchen und Heringssalat hatte sie für mich gemacht. Wir haben lange gesprochen, vieles geklärt, und ich habe ihr viel erzählt. Die guten Tanten waren da und bewunderten…
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Ein Blick aus dem Fenster
Freitag, den 26. Februar 1926 Als ob es Frühling würde. Nach Tisch lief ich, um einmal hinauszukommen, die Mauer im Berggarten entlang. Wie lachend die Sonne auf den roten Dächern der weißen Häuser lag, wie leuchtend grün Felder und Wiesen waren! Ach, wie schön war die Welt. Oben auf dem Berg kläffte Waldi. Kam denn…
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Von Perlen und Muscheln
Donnerstag, den 25. Februar 1926 Bine geht es besser. Um drei Uhr steht sie wieder auf. Und ich fahre Sonnabend nach Hannover. Heute war ich eine halbe Stunde unten. Im Flur sagte mir Frau Schmidt, dass ihr Sohn auch krank sei: gestern im Bett gelegen, wahnsinnig transpiriert, heute wieder auf, aber noch mit etwas Fieber.…
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Das Kind lässt mich nicht
Mittwochabend, 24. Februar 1926 Seit Sonntag bin ich nicht mehr unten gewesen. Das Kind ließ mich nicht fort. Idel erwartet mich voll Sehnsucht. Die Augen der Baronin sind jetzt immer gütig, wenn sie mich ansieht, weil sie nun endlich weiß, wie ich zu Bine bin. Und noch immer nur die eine Bitte: Lieber Gott, schenke…
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Noch kann ich umkehren
Dienstag, den 23. Februar 1926 Es ist halb elf. Eigentlich sollte ich jetzt in Hannover sein, aber es kam wieder anders. Draußen zwitschern die Vögel. Es ist ein fröhlicher Vorfrühlingstag. Eben bin ich durch die Gärten gestreift: erst auf der Mauer entlang zum Paradies, dann den schmalen Grasweg hinauf zum Gewächshaus. Vom oberen Berg rief…
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Als säßen nur wir beide da
Sonntagmittag, den 21. Februar 1926 Ob die Sonne noch durchkommt? Dann wollten wir Aufnahmen machen und in die Steinhöfe fahren. Ach, ist das Leben unsagbar schön! Zwar wusste ich gestern abend beim Baron die Nebenflüsse des Mains nicht. Weshalb er meinte, ich sei wohl auch aus Versehen Lehrerin geworden. Dann noch ins Herrenzimmer. Ich saß…
