Autor: Helene Oltrogge

  • Am Rand des Tages

    Am Rand des Tages

    Sonntag, den 28. März 1926 – Mittags Eben war ich unten. Alle Damen in Weiß. Man wollte spazieren gehen. Ich sollte mit, aber Bine hatte eine so schlechte Nacht, und da Mädi und ich ohnehin hin- und herliefen und es mir auch nicht recht gut ging, blieb ich hier. Nun soll ich abends kommen. Ich…

  • Endlich Frühling!

    Endlich Frühling!

    Sonnabend, den 27. März 1926 War das ein Frühlingstag! Morgens bin ich ohne Hut und Mantel durch den Flecken zur Post gegangen. Dann durch die Gärten zum Freidhof. Den Lechtmar hinab, der Himmel blaute, die Lerchen jubelten, ich müsste singen und jauchzen: „Frühling!“ Setzt mich am Abhang hin, vor Freude kommen mir die Tränen.

  • Lottes Geburtstag

    Lottes Geburtstag

    Freitag, den 26. März 1926 Es ist halb zwei. Bine liegt mit Fieber im Bett. Sie ist schon wieder krank. Der Baron ist in furchtbarer Laune. Und gestern… Nein, was war das für ein Tag! Wenn ich jetzt daran zurückdenke, muss ich lachen: alles so komisch, herrlich schön, traurig und wieder schön. Wenn nur die…

  • Ein Schritt zurück

    Ein Schritt zurück

    Mittwoch, den 24. März 1926 Die Baronin ist abgereist. Als Bine schlief, bin ich hinuntergelaufen. Irene und Marga waren im Herrenzimmer. Ich sollte doch bleiben. Lotte käme sicher gleich vom Friedhof zurück. Dann sagten sie mir das, was Edam mir draußen auf dem Hof schon erzählt hatte: Die Dortmunder hätten abgesagt. Und er sei tief…

  • Schlimm ist…

    Schlimm ist…

    Dienstag, den 23. März 1926 Schlimm ist nur, dass ich stundenlang sein Bild ansehen kann und dabei träume.Schlimm ist, dass ich es nicht fertigbringe, an die Schule zu schreiben. Ich möchte von ihm träumen.

  • Fremd im Glück

    Fremd im Glück

    Montag, den 22. März 1926 „Lass dich nicht verblüffen“, stand gestern auf dem Kalenderzettel. Das hat mich wieder zum Lachen gebracht. Sonst war ich so unbefriedigt. Wenn ich doch wüsste, ob er mich liebt oder ob er die Frauen nur zum Spiel braucht.Ein Trost ist immerhin: Er versteht es nicht, mit mir zu spielen. Zu…

  • Steinerne Ruhe

    Steinerne Ruhe

    Sonntagmittag, den 21. März 1926 Wir kommen ins Esszimmer, da sagt Taulin: „Fräulein Oltrogge, das Telefon. Fräulein Schmidt wartet.“ Und nun soll ich um drei Uhr unten sein. Wir wollen in den Wald fahren. Eine seltsame, steinerne Ruhe ist über mich gekommen. Dabei ist der Himmel blau, die Sonne lacht, die Drossel singt. Das Kind…

  • Ein Wink vom Fenster

    Ein Wink vom Fenster

    Sonnabend, den 20. März 1926 „Bine, komm, jetzt Sprachlehre!“ Da – die Soldaten kommen. Bine läuft hinunter, ich bleibe oben am Fenster. Mit klingendem Spiel ziehen sie vorbei – vorbei. Zwei Damen in bunten Jacken gehen bei Sch. ins Haus. Am Morgen schon ein Walzer. Da kommt Kunte hinterher, bleibt bei den Pferden stehen und…

  • Frühlingslieder im Kopf

    Frühlingslieder im Kopf

    Donnerstag, den 18. März 1926, nachmittags Ich bin eben bei Fräulein Sprenger gewesen. Heute Abend ist Italienisch, danach noch zum Arzt. Und weil ich schon in der Nähe war, bin ich auch bei Pastors vorbeigegangen. Nun kommt Gitta morgen Abend zu mir. Es wäre doch merkwürdig, wenn ich die Menschen, die ich haben möchte, nicht…

  • Die Sonne lachte

    Die Sonne lachte

    Dienstag, den 16. März 1926 Das Paket an Idel ist fort. Morgen muss ich an Rudchen schreiben. Hilde Ballerstadt begleitet mich wegen meiner Wertpapiere nach Göttingen. Fahre ich mit der Bahn oder mit dem Auto? Spaziergang mit Lotte. Irenchen liegt zu Bett, hat Geschwüre. Bruder Kurt schneidet sie auf. Die Dortmunder können vielleicht nicht kommen,…