Autor: Helene Oltrogge

  • Ein merkwürdiger Tag

    Ein merkwürdiger Tag

    Montag, den 15. März 1926 Idels Geburtstag. Ihr Schal ist heute fertig geworden. Was für ein merkwürdiger Tag! Sonntagabend war ich unten, aber es war langweilig. Nicht so wie sonst. Vielleicht war ich nur müde. Vielleicht hatte er recht, als er mich immer wieder fragte. „Jammern lässt schön grüßen“, flüsterte er mir ins Ohr. Doch…

  • Immer nur Theater

    Immer nur Theater

    Sonnabend, den 13. März 1926 Und es wurde so wunderbar, so selten schön, dass ich gar nicht weiß, wie ich anfangen und wie ich aufhören soll zu erzählen. Lotte ging um halb sieben fort. Bine wollte ihre Frisur mit dem geraden Scheitel nicht anerkennen. Aber geherzt und geküsst hat sie ihre „Patsche“ doch. Dann saßen…

  • Vorfreude

    Vorfreude

    Freitag, 12. März 1926 Bine hält Mittagsschlaf. Um Viertel vor vier kommt Lotte. Nach der Schule rief ich an: „Bitte.“ „Ich möchte Lotte Schmidt gern sprechen.“ „Sind Sie’s, Wichtel?“ „Ja.“ Ich wusste gleich, dass er es war. Ich sollte abends kommen. Edam habe ein feines Kostüm, und wir wollten üben. Ach, wie herrlich war alles!…

  • Verloren im Spiel

    Verloren im Spiel

    Donnerstag, den 11. März 1926 Es ist Viertel nach 9. Bine hat ihren Willen bekommen: ich bin nicht unten. Edam hat mich vergebens „hypnotisiert“. Der Chef schmust sicher mit Cousinchen Irene herum, und Lotte denkt an ihren Kurt. Ich muss doch einmal ohne sie fertig werden können, auch wenn mich mein ganzes Herz dorthin zieht.…

  • Ein Abend bei Schmidts

    Ein Abend bei Schmidts

    Dienstag, den 9. März 1925 In Gedanken habe ich von allen schon Abschied genommen. Deshalb musste ich mir noch einmal alles ansehen: das Haus, den Hof, die Scheunen und dort hinten die Gräfenburg, so nah von der Stiege aus. Fräulein Sprenger hatte mir bei meiner Bewerbung geholfen. Aber mein Herz weinte dabei und war so…

  • Eine unaussprechbare Hoffnung

    Eine unaussprechbare Hoffnung

    Montag, den 8. März 1926 Der Duft des Frühlings dringt zu mir herein, irrend klingt er durch die Allee. Wie weich und warm drang die Luft mir entgegen, als ich am offenen Fenster stand. Nun bin ich allein, ganz allein. Nun kann ich wieder so sein, wie ich wirklich bin. Meine Augen tun mir weh…

  • Wange an Wange

    Wange an Wange

    Sonntag, 7. März 1926, morgens Als ich gestern früh erwachte, hatte ich den herrlichsten Traum: Ich saß auf seinen Knien, und seine liebe Gestalt umfing mich ganz. Sanft und doch fest presste er mich an sich. Ich fühlte mein Blut durch den ganzen Körper strömen. Zitternd war meine Wange an die seine gedrückt. So beschützt,…

  • Meine Augen, ihr Mund

    Meine Augen, ihr Mund

    Freitag, den 5. März 1926 Bine meinte, ich solle nicht immer hinuntergehen. Aber ich musste Lotte doch den Schlüssel bringen. Sie wusch sich gerade die Haare, also leistete ich den Alten Gesellschaft. Kurt war in Günthersen. Ich konnte nicht anders, ich musste wieder von Haas anfangen, der nach Aussage der Baronin schon vielen Leuten „den…

  • An 100 Fäden gebunden

    An 100 Fäden gebunden

    Donnerstag, den 4. März 1926 – Adelebsen Mir ist alles rätselhaft. Fast möchte man den Kampf aufgeben. Gestern bin ich aus Hannover zurückgekehrt. Auch Idel freute sich sehr. Butterkuchen und Heringssalat hatte sie für mich gemacht. Wir haben lange gesprochen, vieles geklärt, und ich habe ihr viel erzählt. Die guten Tanten waren da und bewunderten…

  • Ein Blick aus dem Fenster

    Ein Blick aus dem Fenster

    Freitag, den 26. Februar 1926 Als ob es Frühling würde. Nach Tisch lief ich, um einmal hinauszukommen, die Mauer im Berggarten entlang. Wie lachend die Sonne auf den roten Dächern der weißen Häuser lag, wie leuchtend grün Felder und Wiesen waren! Ach, wie schön war die Welt. Oben auf dem Berg kläffte Waldi. Kam denn…