Autor: Helene Oltrogge
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Geheime Liebe
Mittwoch, den 10. Februar 1926 Fräulein Sprenger bleibt jetzt gern in Adelebsen, weil sie mich hier hat. Lotte kommt heute Abend. Draußen liegt Schnee. Bine und Lotte haben mich unten im Garten gewaschen. Warum? Weil ich ihnen ausgebüxt war. Bine hatte Zettermordio geschrien und mich glücklich mit hinein geholt. Dann hatte sie den Kopf ins…
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Ohnmächtige Wut
Dienstag, den 9. Februar 1926 Da lese ich im Tag den Artikel über die Auszehrung Deutschlands und mich erfasst eine ohnmächtige Wut. Deutsches Glück und deutsches Leben werden sie zerstören. Ist es möglich? Können sie das verantworten? Und das wollen Christen sein? Fünf Briefe hatte ich heute. Idel ist in Sorge um Adolph. Wenn er…
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Angst vor Liebe
Sonntag, den 7. Februar 1926 Scharfer Ostwind, als ich zur Bahn ging. Göttingen: Studenten mit bunten Mützen sammelten an den Straßenecken Spenden. Ich habe Siga nach dem Stadtpark gefragt: er schielte mich lachend mit seinen Augen an. Viele Menschen, man spürte den Geist der Universitätsstadt. Neben mir ein Student mit blauer Mütze, der mich…
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Ungewissheit
Sonnabend, den 6. Februar 1926 Morgen fahre ich nach Göttingen zum Vortrag von Dr. Eckener. Bine ist bis sechs bei mir, deshalb gehe ich nicht mehr nach unten. Um drei bis vier Spaziergang mit Bine, roter Weg. Teuteberg getroffen. Freche Amseln pfiffen. Es ist halbtot hier. Aus dem Fenster habe ich immer nur Edam und…
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Unausgesprochenes
Freitag, den 5. Februar 1926 Heute Morgen war es wirklich ein warmer Frühlingsmorgen. Als wir zum Friedhof hinaufgingen, nahmen wir die ersten Kätzchen mit. Zu Tisch Besuch: die junge Gräfin Westpfahl, der Graf. Im Zimmer der Baronin. Ich sehe Bine und mich am Fenster stehen, wir reden über Schmidts. Ich spreche meine Verwunderung darüber aus,…
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Heimatlos
Donnerstag, den 4. Februar 1926 Beerdigung. Glockenläuten. Schwarze Menschen, den Kirchhof hinan. Vorn der Sarg, dahinter die Familie. Direkt vor mir er mit seinen beiden Schwestern, Edam neben mir, dann all die anderen fremden Männer. Auf dem langen Weg durch den Flecken sah ich niemanden, nichts. Ich dachte nur an den Sarg, wie er im…
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Das offene Grab
Mittwoch, den 3. Februar 1926 Bine und ich gingen den altbekannten Weg zum Kirchhof hinauf. Das Grab war schon ausgehoben, nicht weit davon eine Fläche brauner Heide. Der Kirchhof liegt schön hoch. Hier muss es sich gut ruhen lassen. Morgen werde ich dort mit den Menschen stehen, die mir auf der weiten Welt am liebsten…
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Offene Fenster
Dienstag, den 2. Februar 1926 Dort, wo die Tote liegt, sind die Fenster weit geöffnet. Er stand vor der Haustür, weinend und sinnend, ging über den Hof und wieder zurück. Davon zehre ich nun. Nachmittags sah ich ihn im gelben Wagen wegfahren, allein. Fräulein Sprenger hat sich nach Kränzen erkundigt. Sie ist so lieb zu…
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Plötzlich Tod
Montag, den 1. Februar 1926 „Heute Morgen ist meine Großmutter sanft entschlafen.“ Seine Augen sahen mich ernst und traurig an, als er mir die Hand gab. Bine und ich waren so lustig den Berg hinuntergelaufen, um Lotte abzuholen. Und nun das: der Tod. 85 Jahre alt. Was umschließt ein solches Leben an Arbeit und Sorgen,…
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Sonnentag im Schnee
Sonntag, den 31. Januar 1926 War das wieder ein Sonnentag. Morgens habe ich Briefe geschrieben. Die anderen sind alle zur Kirche gegangen. Nach Tisch gehe ich nach oben, sehe aus dem Fenster: Lottes rotes Kleid, der weiße Schal darüber. „Huhu!“„Kannst doch mit? Wir fahren um 2 in den Wald.“ Dann kamen Kurt und Herr Edam.…
