Autor: Helene Oltrogge

  • Gebundene Hände

    Gebundene Hände

    Mittwoch, den 28. Oktober 1925 Und da soll man nicht verzweifeln? Trotz der vielen belastenden Briefe von Idel? Adolph hat kein Geld, sie hat kein Geld, und Hermann auch nicht… Eine Karte von Hermann kam heute. Ich will ihm schreiben. Wenn ich doch reich wäre! Wie oft wünsche ich mir, dass ich den Meinen aus…

  • Wen magst du lieber?

    Wen magst du lieber?

    Dienstag, den 27. Oktober 1925 Bine fragte mich heute Abend wieder, wie schon so oft: „Wen magst du nun eigentlich lieber, Herrn Schmidt oder Herrn Edam?“ Ich strafte sie mit der Antwort: „Gar keinen.“ Aber dieses kleine Weib gab keine Ruhe, bis sie die Wahrheit wusste. „Ja“, meinte sie schließlich, „beide sind ja sehr nett,…

  • Die Königin der Nacht

    Die Königin der Nacht

    Montag, den 26. Oktober 1925 Es ist 3 Uhr. Um 4 Uhr wollen Bine und ich mit Lotte spazieren gehen. Ich habe an Idel geschrieben. Der Himmel ist blau, aber es ist ein kalter Herbsttag. Heute hat Bine gegen mein Gebot Munte gerufen. Nun hat er einen Radfahrer ins Bein gebissen! Der Kerl hatte Augen…

  • Der Kampf geht weiter

    Der Kampf geht weiter

    Sonntag, den 25. Oktober 1925 Der Kampf geht weiter. Wenn es doch endlich vorbei wäre! Trotzdem hoffe ich, dass man mir äußerlich nichts mehr anmerkt. Bine und ich waren heute Nachmittag wieder unten. Lotte war mittags aus Peine zurückgekommen. Herr Edam empfing uns. Die Alten und alle waren da und so nett. Ich erzählte meine…

  • Ein Abend am Kröpcke

    Ein Abend am Kröpcke

    Dienstag, den 20. Oktober 1925 Ruhe. Alle Arbeit ist getan. In zehn Minuten muss Lotte aus dem Kurier kommen. Alles stimmt. Nur Geld habe ich keins mehr. Meine Hüte sind fertig. Heute Abend bekomme ich mein Kleid. Rudchen kommt noch, und Marie Reichert holt mich zum Obstvertrag ab. Am Sonntag war ich mit Idel im…

  • Nachklang eines Abschieds

    Nachklang eines Abschieds

    Sonntag, den 11. Oktober 1925 Hannover! Idel sitzt im Sessel, Thyra ist auf dem Sofa, und die Kinder sind im Bett. Alles schläft. Es ist gerade drei Uhr. Was mag man wohl jetzt in Adelebsen denken und tun? Vorgestern habe ich an Lotte geschrieben. Ich bin gespannt, ob sie kommen. Meine Zeit ist schon wieder…

  • Gestern war Geburtstag!

    Gestern war Geburtstag!

    Montag, 5. Oktober 1925 Gestern kam ich nicht zum Schreiben – so schön war mein Geburtstag, trotz allem Trubel. Ich kann nicht alles erzählen. Am Sonnabend nach Tisch waren Hilde Ballerstadt und Lotte Schmidt bei mir. Wir machten einen Mondscheinspaziergang, Arm in Arm. Ich fühlte mich so glücklich und so froh, zwei so liebe Menschen…

  • Wir duzen uns jetzt

    Wir duzen uns jetzt

    Freitag, den 2. Oktober 1925 Gestern Abend glänzte der Vollmond, während Nebel über Berg und Tal lagen. Lotte begleitete mich den Berg hinauf bis ans Tor. Sie bat mich, sie nicht so oft allein zu lassen und immer wieder zu kommen. Das weiße Schloss, die hohe Mauer, die dunklen Bäume, unser Geflüster und Händedruck. Wir…

  • Durch Leid zur Freude

    Durch Leid zur Freude

    Donnerstag, den 1. Oktober 1925 – Lottes Kurts Geburtstag Herr Haarstrich aus Hannover-Emmerberg hatte für heute glänzendes Wetter prophezeit, woraufhin der Baron ihn zurückgehalten hatte. Tatsächlich war es zwar bewölkt, aber angenehm warm. Nach der Schule ging ich wieder hinunter. Lotte, im blauen Hauskleid mit weißer Schürze, hatte viel zu tun (sie hatten Ahsen geschlachtet).…

  • Vertrauen gegen Vertrauen

    Vertrauen gegen Vertrauen

    Mittwoch, den 30. September 1925 Ich habe bereits heute mein Geld bekommen und die Nachricht, dass Hilde Ballerstadt mich besuchen kann. Nach der Schule fuhr ich mit der Baronin hinunter aufs Gut. „Juhu!“, rief Lotte aus dem Fenster und winkte uns zu. Die Sonne lachte, der rote Wein am Haus leuchtete, und Herr Edam rief…