

Dienstag, den 1. Juni 1926
Das Kind liegt im Bett. Ich stehe am Fenster und sehe in den abendlichen Frieden hinaus. Leise zieht ein Lied durch meine Gedanken:
„Drüben am Ockerau, haben zwei Raben… werd’ ich der Erste sein, den sie begraben?“
„Wichtel, du willst doch noch nicht sterben? Wer bliebe dann bei mir? Dann hätte ich ja keine Patsche mehr.“
„Ich möchte heute einschlafen und nicht mehr aufwachen.“
„Und mich willst du nicht mitnehmen in deinen Himmel?“
„Du bist noch so jung, du musst erst die Welt kennenlernen.“
„Und du doch auch.“
Dann ruft sie mich zu sich, legt beide Arme um meinen Hals. Doch. Ein Mensch ist hier, der mich liebt.
Über die Berge kommt die Dämmerung. Allen kranken Herzen ein „Gute Nacht“.
„Was liegt daran? Viele hunderttausend traben in Österreichs Reiterei…“
Wenn ich doch nicht so allein wäre. Wenn ich ruhiger sein könnte.
Und doch, leise regt sich etwas in mir: „Was soll all der Schmerz, die Lust? Süße Freude kann aufkommen in meiner Brust.“


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