
Mittwoch, den 2. Juni 1926
Bine und die Baronin sind nach Göttingen gefahren. Ich wollte ihn sprechen und fragen, ob er nicht nach Uslar führe.
Gleich nach Tisch ging ich hinunter. Er war auf dem Feld, kam gerade mit seiner Mutter zurück. Ich solle am Nachmittag wiederkommen.
Als Bine fort war, zog ich mein blaues Kleid an, den Südwester auf und ging.
Im Zimmer: Frau Schmidt und ihre Schwester Elfriede zu Besuch. „Ist das wohl sein Geschmack?“ dachte ich gleich.
Dann kam er aus dem Büro: „Guten Tag, Wichtelchen.“ So nennt er mich immer.
Auch Herr Legau war da. Ich sah ihn mir genauer an: groß, stattlich, ein markantes Gesicht. Fast wie Roland. Kurt machte gleich wieder seine spitzen Bemerkungen,
und aufgegeben hat er mich wohl noch nicht. Er fürchtet, Käthe sei fort.
Die Herren wollten zur Jagd: Vater und Sohn. Ich hätte mitgehen können, blieb aber der Baronin wegen.
Wenn wir unter uns waren, wollte er mir allerlei erzählen, doch ich fragte gleich wieder nach Hermann. So gefiel es ihm nicht. Zu verschlossen wollte er mich nicht.
„Das bewundere ich an Ihnen.“
„Ist das alles, was Sie an mir bewundern?“ Da musste ich lachen.
In Hannover will er sich mit Käthe treffen. Mag er sie doch lieber als mich?
„Behalten Sie mich lieb“, sagte er leise und drückte mir fest die Hand.
„Ja, ich will es versuchen.“
Man soll das Leben leicht nehmen.
„Herr Legau, gehen Sie ein Stück mit mir in den Garten.“
Kurt konnte sich kaum trennen, stand noch an der Treppe und sah mich an. Ich sah zurück. Ein paar halbe Worte. Dann ging ich.
Bis sieben ging ich mit Legau im Garten spazieren. Er erzählte offen von seinem Bruder und dem Streit in der Familie. Er gefällt mir. So viel freier und natürlicher als Kurt.
Er brachte mich den Berg hinauf.
Am Hoftor stand Edam und drohte scherzend mit einem Nasenstüber. Ich lachte. Ich lebte. Ich war froh.
Als ich später baden wollte, hörte ich unten das Auto zurückkommen.
Also: gute Nacht.


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